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Kommentar

            Sturm im Wasserglas

                     Früher fanden ungewöhnliche Ideen,       ziellen Nutznießer einer neuen Steuer, winken
            skurrile Gedanken und zweifelhafte Thesen         ab: Der Verwaltungsaufwand wäre wegen
            lediglich im Sommerloch Gehör. Heute das          des geringen Ertrags viel zu hoch. Der Deut-
            ganze Jahr, dank Facebook, Twitter und ande-      sche Jagdverband behauptet zwar, dass pro
            rer sozialer Netzwerke.                           Jahr zahlreiche Vögel Opfer von herrenlosen
            Für den wenig durchdachten Vorschlag, eine        Katzen würden. Eine Katzensteuer fordern die
            Katzensteuer in Deutschland einzuführen,          Jäger aber deshalb trotzdem nicht.
            waren allerdings in erster Linie
            nicht die neuen Medien, sondern                                 Sie würde vermutlich auch über-
            eine eigentlich als seriös gelten-                              haupt nichts bringen. Die Zahl
            de Wochenzeitung verantwort-                                    der streunenden Katzen würde
            lich. Die „Frankfurter Allgemeine                               dadurch mit ziemlicher Wahr-
            Sonntagszeitung“ (FAS) knüpfte                                  scheinlichkeit nicht zurückgehen.
            sich Ende Januar die Katzen vor                                 Da wäre eine flächendeckende
            und verurteilte sie als gemeine                                 Kastrationspflicht schon wesent-
            Killer, die angeblich unsere Sing-                              lich sinnvoller. Zu befürchten wä-
            vögel töten. „Wären sie etwas                                   re vielmehr, dass nach Einfüh-
            größerer Statur“, so der Journa-                                rung einer Katzensteuer noch viel
            list, „müsste man sie hinter Gitter sperren und                 mehr Katzen als bisher schon
            streng bewachen lassen.“                          ausgesetzt oder in Tierheimen abgegeben
            Seine Forderung, „Besteuert die Katzen!“ wird     würden. Auch dass Wildvögel weniger von
            seitdem im Internet lustvoll und mit großem       Katzen behelligt würden, wenn eine Katzen-
            Eifer diskutiert: Ist es nicht unfair, dass nur   steuer existierte, ist mehr als zweifelhaft.
            Hundebesitzer Steuern zahlen müssen? Sind         Letztlich erzeugte der FAS-Kommentar nicht
            Katzen nicht sogar für den Rückgang der           mehr als einen Sturm im Wasserglas. Fürs
            Wildvogelpopulation verantwortlich? Müssen        Erste dürfen die Heimtierbranche und die vie-
            Katzen nicht dafür bestraft werden, dass sie      len Katzenbesitzer in Deutschland aufatmen.
            öffentliche Sandkästen und Privatgärten als       Hoffen wir, dass damit die unsägliche Debat-
            Klo missbrauchen?                                 te um die Einführung einer Katzensteuer be-
            Tröstlich immerhin, dass die meisten Befrag-      endet ist.
            ten die im FAS-Kommentar erhobenen Forde-
            rungen rundweg ablehnen. Mäuse, die für           Ihr
            Miezen fällig werden, wie Bild.de süffisant for-
            mulierte, will offenbar niemand. Politiker der      Ralf Majer-Abele
            Grünen und der SPD erteilen der Idee einer
            Katzensteuer ebenso eine Absage wie ZZF-            Telefon 0 72 43/575-230
            Präsident Norbert Holthenrich und eine Spre-        r.majer-abele@daehne.de
            cherin des Deutschen Tierschutzbunds.
            Selbst die Städte und Gemeinden, die poten-

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