20 Jahre Zooplus |

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Ein Shooting Star am Scheideweg

Der Vorstand von Zooplus: (von links) Dr. Mischa Ritter, Dr. Cornelius Patt, Florian Welz und Andreas Grandinger.

Der Vorstand von Zooplus: (von links) Dr. Mischa Ritter, Dr. Cornelius Patt, Florian Welz und Andreas Grandinger.

In nur wenigen Jahren hat sich Zooplus zu einem Schwergewicht im europäischen Zoofachhandel entwickelt. Das Unternehmen will in Zukunft weiterwachsen, muss aber erst noch Lösungen für einige Probleme finden.

Die deutsche Heimtierbranche tut sich mit Veränderungen traditionell schwer. Auf den Markteintritt von Fressnapf reagierten 1990 die meisten Zoofachhändler, aber auch zahlreiche Industrielieferanten mit einer Mischung aus Spott, Verachtung und Wut. 1999, als der Pure Player Zooplus mit einem Onlineshop für Heimtierprodukte an den Start ging, wurden die Unternehmensgründer anfangs als Pet Shop Boys verlacht und wegen ihrer aggressiven Verkaufspreise von vielen in der Heimtierbranche angefeindet.


Zooplus tat sich in den ersten Jahren schwer, in der Heimtierbranche Fuß zu fassen. Im Unternehmen waren überwiegend versierte Betriebswirtschaftler und smarte Computerfachleute tätig. Von den Gesetzmäßigkeiten der Heimtierbranche, in der einiges anders als in anderen Geschäftsbereichen läuft und wo Emotionalität eine besondere Bedeutung einnimmt, verstanden sie anfangs so gut wie gar nichts. Doch das Unternehmen verlor zu keiner Zeit den Glauben an sich und sein Konzept, lernte schnell aus Fehlern und optimierte permanent und ungewöhnlich konsequent seine Strategie. Zooplus überstand sogar die schwierigen Jahre des neuen Jahrtausends, als an der Börse der neue Markt zusammenbrach und viele hoffnungsvolle E-Commerce-Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Gestärkt ging der Onlinehändler aus der Wirtschaftskrise hervor, investierte viel in Logistik und trieb neben der Konzentration auf die deutschsprachigen Heimatmärkte ab 2005 die Auslandsexpansion an.


Imponierende Kennzahlen

Als Zooplus 2008 an die Frankfurter Wertpapierbörse ging, erwirtschaftete das Unternehmen gerade einmal 85,1 Mio. Euro (Umsatzerlöse und sonstige Erträge). 2018, also nur zehn Jahre später, erwirtschaftete der Pure Player einen Gesamtumsatz von 1,35 Mrd. Euro. Auch andere Kennzahlen deuten darauf hin, dass es bei Zooplus gut läuft: Die Umsatzerlöse konnten 2018 in allen europäischen Ländern zweistellig gesteigert werden, die Zahl der aktiven Kunden lag zum Jahresende bei 6,77 Mio., die Zahl der Neukunden bei 2,91 Mio. und die Anzahl der Bestellungen bei 24,5 Mio. Und dies, obwohl der Wettbewerb in den zurückliegenden Jahren im internationalen Zoofachhandel ständig gewachsen ist.


Eigenmarken wachsen stark

Mit ca. 8.000 Produkten vertreibt das Unternehmen ein umfangreiches Sortiment für alle relevanten Heimtiere. Mit einer Präsenz in 30 Ländern ist Zooplus der einzige wirklich europaweit tätige Onlinehändler für Heimtierprodukte. Eine ständig optimierte internationale Verbundlogistik versetzt das Unternehmen in die Lage, Kunden in den meisten europäischen Ländern schnell und zuverlässig zu beliefern. 77 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Zooplus mittlerweile im Ausland Das Segment Hund erreicht einen Umsatzanteil von 49 Prozent und liegt damit vor dem Bereich Katze mit einem Umsatzanteil von 47 Prozent. Auf die restlichen Warengruppen wie Aquaristik, Nager, Vogel und Reitsport entfallen gerade einmal 4 Prozent. Zunehmende Bedeutung nehmen die Eigenmarken des Unternehmens ein. Sie erreichten im Jahr 2018 einen Umsatz in Höhe von knapp 170 Mio. Euro, was einem Umsatzanteil von ca. 14 Prozent entsprach.


Mobile Plattformen

Wie kaum ein anderes Unternehmen im Zoofachhandel ist Zooplus bestens auf den steigenden Anteil von Käufen über mobile Plattformen gerüstet. Der Anteil der dort getätigten Einkäufe lag laut Geschäftsbericht 2018 bereits bei über 30 Prozent. Auf die Zooplus-App entfielen davon etwa 10 Prozent. Neben vielen Maßnahmen im Onlinemarketing bedient das Unternehmen ein weites Spektrum von sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram und You Tube. Auch auf Influencer-Marketing will der Onlinehändler immer stärker setzen.

 

Marktbeobachter sehen darin einen Versuch von Zooplus, seine hohe Abhängigkeit von Google zu reduzieren. Die Preise für Suchmaschinenmarketing sind in den zurückliegenden Jahren ständig nach oben gegangen, gleichzeitig brachte die Google-Werbung zur Gewinnung von Neukunden für Zooplus immer weniger. So mussten neue Wege beschritten werden.


Um seine Position im Handel weiter zu verstärken und neue Marktsegmente zu testen, nimmt das Unternehmen seit einigen Jahren in einigen seiner Shops, zum Beispiel Bitiba und Zoobee, verstärkt Produkte außerhalb des Heimtiersegments ins Sortiment auf. Dabei handelt es sich überwiegend um Lebensmittel und Drogerieartikel, aber auch Bio- und vegane Produkte. Da das Sortiment nach und nach vergrößert wird, spricht viel dafür, dass die ursprünglich als Tests gestarteten Sortimentserweiterungen den gewünschten Erfolg gebracht haben. Mit Sicherheit dürften die neuen Sortimente dazu beitragen, Kunden verstärkt an Zooplus und seine Marken zu binden und die Shops noch attraktiver zu machen.


Probleme

Trotz aller Erfolge von Zooplus darf nicht verschwiegen werden, dass bei allen Erfolgen des Onlinehändlers hinter der weiteren Entwicklung auch einige Fragezeichen stehen. Nachdem zwischen 2013 und 2017 das Ergebnis vor Steuern (EBT) stets im ein- oder zweistelligen Millionenbereich gelegen hatte, gab es 2018 ein kräftiges Minus in Höhe von 2,3 Mio. Euro - eine Folge kräftiger Investitionen ins Marketing, in die Logistik und in Personal, wie Zooplus betont. Der Aktienkurs, der im Mai 2018 mit 191,8 Euro pro Papier seinen Höchststand erreicht hat, ist daraufhin kräftig eingebrochen und dümpelt derzeit um die 100-Euro-Marke herum.


Auch 2019 wird mit einem negativen EBT gerechnet, zudem dürften die prognostizierten Umsatzzuwächse von maximal 14 bis 18 Prozent etwas niedriger als in den Vorjahren ausfallen. Sein Ziel, bis 2020 die Zwei-Milliarden-Umsatzgrenze zu knacken, musste der Vorstandsvorsitzende Dr. Cornelius Patt schon im vergangenen Jahr verschieben.


Wie kann Zooplus also auch in Zukunft unter noch härter werdenden Wettbewerbsbedingungen seine hohe Umsatzziele erreichen, ohne dass gleichzeitig die Ausgaben fürs Marketing und moderne IT ins Unermessliche wachsen? Die Antworten, die das Unternehmen auf diese alles entscheidende Frage geben wird, dürfte darüber entscheiden, ob die Erfolgsstory von Zooplus weitergehen wird. Immerhin ein anderes Problem, die Rohertragsmarge, konnte der Pure Player bisher ganz gut in den Griff bekommen. 2018 ist sie auf 28,7 Prozent gestiegen. Mit einer zu erwartenden Zunahme des Eigenmarkenanteils dürfte sie sich in den kommenden Jahren weiter verbessern. Damit dürfte es Zooplus auch gelingen, sich von Wettbewerber Amazon stärker abzusetzen.

 

 

|08.11.2019 | 12:31

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