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Die goldene Freiheit

Tieren in der Obhut des Menschen geht es meist besser als in der freien Natur, meint Tierarzt Dr. Rolf Spangenberg.
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Wenn man Tiere im Zoo betrachtet, im Zoofachhandel oder bei einem privaten Halter, so wird selbst ein engagierter Tierschützer zugeben müssen, dass es diese Geschöpfe in aller Regel recht gut haben. Das lässt sich allein schon an der Lebenserwartung ablesen, die ein Vielfaches der Freilebenden beträgt. Die goldene Freiheit haben sie allerdings nicht, aber trotzdem deshalb hier ein Blick auf Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäuse: Wildkaninchen sind sehr fruchtbar, aber die Sterblichkeit unter den Jungtieren ist recht hoch. Außerdem sind Kaninchen beliebte Beutetiere für Füchse, Greifvögel und vor allem auch Marder und Katzen. Selbst manch schmusige Hauskatze schlägt sich an Jungkaninchen gern den Magen voll. Im Herbst geht alle paar Jahre die Myxomatose über das Land und bringt Wildkaninchen an den Rand des Aussterbens. Dieser ständige Aderlass sorgt dafür, dass Kaninchen nicht zur Plage werden. Aber ob Wildkaninchen (Lebenserwartung zwei bis drei Jahre) glücklicher oder zufriedener als ihre zahmen Artgenossen (Lebenserwartung fünf bis zehn Jahre) sind? Wildmeerschweinchen leben in den kalten Höhen der südamerikanischen Gebirge. Dort knabbern sie an dem kargen, trockenen Pflanzenbewuchs und hüten sich ständig vor Greifvögeln und marderähnlichen Raubtieren. Nur ihre ausgeprägte Scheu schützt sie einigermaßen vor dem Gefressenwerden. Wenn sie – von wem auch immer – hochgehoben werden, ist das Ende nahe. Ihre Kunden sind aber verwundert, wenn Meerschweinchen sich gegen das Aufheben wehren. Dabei ist das Zappeln ein natürlicher Schutzreflex. Die als Kanalratten verachteten Nager haben ein erbärmliches Image. Auch Tierfreunde hören nicht gern, dass diese Allesesser Abfall in hochwertiges Fleisch verwandeln, das wiederum anderen Tieren – in manchen Gegenden auch Menschen – zur Nahrung dient. Sie werden von allen Seiten gejagt, vergiftet und in Fallen erschlagen – kein besonders glückliches, wenn auch freies Leben. Demgegenüber haben es zahme Ratten bei Tierfreunden doch sehr gut. Ob sie die Freiheit vorziehen würden, wenn man sie fragen könnte? Über Mäuse braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Gefürchtet werden Hausmäuse eigentlich nicht, doch löst ihr Erscheinen in einer gepflegten Wohnung trotz des putzigen Aussehens meist eine leichte Panik aus. Feldmäuse dienen einer unzählbaren Anzahl von Tieren als Nahrung; von den Bussarden über Eulen bis zu Mauswieseln und vielen anderen. Sie leben also in ständiger Panik und können sich nur durch die hohe…
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