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Trends in der Tiernahrung

Hersteller, die ihre Inhaltsstoffe klar kommunizieren, in nachhaltige Praktiken investieren und sich an die Nachfrage nach personalisierter und präventiver Ernährung anpassen, sind am besten aufgestellt, um die Zukunft mitzugestalten.(Quelle: Fi Europe)
Hersteller, die ihre Inhaltsstoffe klar kommunizieren, in nachhaltige Praktiken investieren und sich an die Nachfrage nach personalisierter und präventiver Ernährung anpassen, sind am besten aufgestellt, um die Zukunft mitzugestalten.
07.07.2026
Faszinierend, komplex und bisweilen widersprüchlich: In einem Gastbeitrag schreibt Yannick Verry, Brand Director bei Fi Events, über die Trends, die die Tierernährung im Jahr 2026 maßgeblich beeinflussen werden.

Jahrzehntelang verlief der Wandel in der Heimtierfutterbranche stetig. In jüngster Zeit, insbesondere seit der Covid-19-Pandemie, hat sich das Tempo jedoch deutlich beschleunigt. 2026 bringt weitere Veränderungen. Basierend auf Erkenntnissen von Marktexperten, führenden globalen Veranstaltungen und Beiträgen einiger der einflussreichsten Marken der Branche ist schon jetzt ein exklusiver Blick auf die wichtigsten Trends möglich.

Premiumisierung mit voller Wucht

 Der Trend zu Premiumprodukten und die Humanisierung der Heimtiernahrung gewinnt weiter an Dynamik und ist mittlerweile der größte Einflussfaktor auf die globale Heimtierfutterindustrie. Gleichzeitig wird die Situation komplexer: Premiumisierung bleibt relevant, doch steigende Lebenshaltungskosten bedeuten, dass Verbraucher höhere Preise nur akzeptieren, wenn diese durch wissenschaftlich fundierte Daten und nachweisbare Vorteile gestützt werden. Zugleich steigt laut Numerator, ein international tätiges Daten- und Technologieunternehmen, die Nachfrage nach preisgünstigen Eigenmarken.

Innova Market Insights berichtet, dass zwei von drei Tierhaltern sich genauso intensiv um die Ernährung ihrer Heimtiere kümmern wie um sich selbst. Ein deutliches Beispiel dafür ist das Segment “Naturfutter”, dessen Wert sich Prognosen zufolge bis 2033 mehr als verdoppeln wird. Immer mehr Tierhalter suchen nach Futtermitteln, die ihren eigenen Werten und Ernährungsvorlieben entsprechen, und legen Wert auf klare Inhaltsstofflisten, minimal verarbeitete Zutaten und transparente Herkunft. Dieser Wandel spiegelt das wachsende Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Ernährung und langfristiger Gesundheit wider. Frische und funktionelle Ernährung gewinnt an Bedeutung und eröffnet Marken neue Möglichkeiten für Innovationen mit gefragten Zutaten wie Probiotika, Superfoods und neuartigen Proteinen. Besonders Tierhalter, deren Zahl während der Pandemie stark gestiegen ist, zeigen eine hohe Bereitschaft, für wahrgenommene Qualität mehr zu bezahlen. Sie informieren sich aktiv über Inhaltsstoffe und sind offen für Premium-Produkte wie gefriergetrocknetes, rohes oder für den menschlichen Verzehr geeignetes Futter.

Yannick Verry, Fi Events
Yannick Verry, Brand Director bei Fi Events, Informa. (Quelle: Fi Europe)

Das Nachhaltigkeitsparadoxon

Nachhaltigkeit ist in der Heimtierfutterindustrie ebenso wichtig wie in anderen Branchen, bringt jedoch ein schwieriges Paradoxon mit sich. Zutaten in Lebensmittelqualität signalisieren Qualität und Transparenz, können Nachhaltigkeitszielen aber entgegenwirken, da sie die Abhängigkeit von ressourcenintensiven Lieferketten erhöhen und alternative Proteine wie Insekten oder tierische Nebenprodukte verdrängen. Die Pet Sustainability Coalition schlägt vor, diese Zutaten im Hinblick auf ihre funktionellen, ernährungsphysiologischen und ökologischen Vorteile neu zu bewerten, um Vorbehalte der Verbraucher abzubauen. Skalierbarkeit und Kosten erschweren derzeit eine breite Einführung nachhaltiger Zutaten. Hybridrezepturen, die konventionelle und alternative Proteine kombinieren, könnten jedoch einen schrittweisen Übergang ermöglichen.

Nachhaltigkeit wird zunehmend als ganzheitliche Herausforderung verstanden, die neben den Inhaltsstoffen auch Produktion, Logistik und Verpackung umfasst. Tierhalter lehnen Plastik, insbesondere mehrlagige Einwegverpackungen, zunehmend ab und bevorzugen recycelbare oder plastikreduzierte Alternativen. Entsprechend erwarten wir beschleunigte Innovationen bei Monomaterialverpackungen und Nachfüllsystemen sowie den Ausbau anreizbasierter Recyclingprogramme wie das SWAP-Recyclingprogramm von Mars in Thailand.

Personalisierung und proaktive Gesundheitsversorgung

Auf der letztjährigen Fi Europe gab Mintel, eine weltweit führende Agentur für Market Intelligence und Marktforschung, Einblicke in den Aufstieg von Inhaltsstoffen, die gezielt auf Vitalität und Langlebigkeit von Heimtieren abzielen – ein Segment mit erheblichem Wachstumspotenzial. Seitdem haben sich Nahrungsergänzungsmittel weiter etabliert. Genau wie bei ihrer eigenen Gesundheit denken Tierhalter zunehmend präventiv und nutzen Ergänzungsprodukte zur Unterstützung von Gelenken, Verdauung, Immunsystem und Wohlbefinden, bevor Probleme auftreten. Wir erwarten, dass die Nachfrage künftig noch gezieltere, auf bestimmte Bedürfnisse, Altersgruppen und sogar Rassen abgestimmte Lösungen hervorbringen wird.

Für europäische Marken, die nach praktischen Inspirationen suchen ist der Küchenhelfer Chefpaw ein Beispiel für die Verbindung von Personalisierung und Gesundheitsvorsorge. Durch die Eingabe von Daten zum Heimtier erhalten Tierhalter individuelle Hinweise zu Nährstoffen und Rezepturen, während eine Maschine frische Zutaten automatisch abwiegt und mischt. Für Hersteller bedeutet dieser Trend zugleich Herausforderung und Chance: Sie müssen Individualisierung ermöglichen und gleichzeitig Skalierbarkeit gewährleisten.

Ein komplexer Balanceakt

Der Heimtierfuttermarkt im Jahr 2026 ist geprägt von vielfältigen Verbraucherprioritäten, schnellem Wandel sowie klaren Herausforderungen und Chancen. Gesund, natürlich und nachhaltig sind Kriterien, die sich nicht immer problemlos miteinander vereinbaren lassen. Gleichzeitig spielen wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. 

Letztlich wird der Erfolg von Transparenz, Aufklärung und Innovation abhängen. Hersteller, die den Nutzen ihrer Inhaltsstoffe klar kommunizieren, in nachhaltige Praktiken investieren und sich an die wachsende Nachfrage nach personalisierter und präventiver Ernährung anpassen, werden die besten Voraussetzungen haben, eine führende Rolle einzunehmen. Da die Zahl der Heimtierhalter weltweit weiter steigt, sind die Chancen für die Branche größer denn je.

Weitere Informationen darüber, was unsere Branche im Jahr 2026 antreibt, finden Sie im E-Magazin Heimtierfuttertrends von Fi Global Insights, das Sie hier herunterladen können, oder im Pet Food and Nutrition Hub auf der Fi Europe in Frankfurt, vom 17. bis 19. November, finden.

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