Gründer Fabio Lehnert bei einer Talkrunde.
Gründer Fabio Lehnert bei einer Talkrunde.

Hunderunde

Verdacht auf Abmahnwelle

Der soziale Futterhersteller Hunderunde wie offenbar auch weitere Start-ups wurden wegen angeblicher Gesundheitsversprechen abgemahnt – und müssen nun Produktnamen ändern.

„Ein Konzern hat uns abgemahnt. Kein Witz. Kein Clickbait“, schreibt Fabio Lehnert, Gründer des Social Start-ups Hunderunde auf LinkedIn. Mit seinen rund 10.000 Followern teilt Lehnert dort seit mehr als drei Jahren regelmäßig Einblicke in die Welt der Start-Ups, die Höhen und Tiefen, die eine Gründung mit sich bringt.

Diesmal ist sein Pet Food Start-Up Hunderunde in „Lebensgefahr“. Infolge einer Abmahnung wegen angeblicher Gesundheitsversprechen ist Hunderunde abhängig von der Kulanz eines Konkurrenzunternehmens. Wenn dieses darauf besteht, dass die beanstandeten Produkte vernichtet werden, werde damit auch das gesamte Kapital vernichtet. „Wir haben keine sechsstelligen Beträge auf dem Konto liegen“, sagt Lehnert mit pet Anfang März.

Lehnert macht seinen Fall öffentlich, um andere zu warnen, denn er selbst hätte nie mit einer Abmahnung gerechnet. „Es wirkt, als sei jedes einzelne Wort auf unserer Webseite analysiert worden. Wenn es nach der Abmahnung geht, dürfen wir gar nichts mehr sagen und können unsere Website schließen“, berichtet er. Ihrem Anwalt zufolge müssen sie mindestens die beiden Toppings Magen & Darm sowie Gelenk & Knochen umbenennen, doch damit ist es natürlich nicht getan. „Wir müssen jetzt alle Namen ändern, sonst macht der gesamte Ansatz ja keinen Sinn mehr.“

Besonders im Fall des Futtertoppings Magen-Darm kann der Gründer die Abmahnung nicht nachvollziehen. Er sei ein großer Fan davon, Gesundheitsversprechen zu verbieten, doch die Inhaltsstoffe des Hunderunde Toppings seien eben hilfreich für die Verdauung. Das dürften sie aber jetzt nicht mehr sagen.

Überrascht waren sie nicht nur von dem Vorwurf unzulässiger Health Claims, berichtet er, sondern auch davon, dass auf der Abmahnung ein weiteres Start-Up genannt war. Beim abmahnenden Konzern hatte man offenbar vergessen, den Vorgänger zu entfernen. Bald stellte sich heraus: Die Kanzlei, die Hunderunde nun berät, hat bereits vier gleichgelagerte Fälle vorliegen. In der Szene kursieren Gerüchte, es handele sich um eine Abmahnwelle, die eine Zahl von Start-ups im mittleren zweistelligen Bereich getroffen habe.

Start-up vs. Großkonzern

Hunderunde steht jetzt vor der Wahl: Die Produkte ändern und Rechtskosten in fünfstelliger Höhe vermeiden oder den eigenen Standpunkt verteidigen – vermutlich gegen einen Großkonzern mit Rechtsabteilung. Lehnert hat sich mit anderen Betroffenen vernetzt und über die Möglichkeit diskutiert, gemeinsam gegen die Abmahnungen vorzugehen.

Ob sich in der Petfood-Branche womöglich viele kleine Start-Ups gemeinsam gegen einen Großkonzern zur Wehr setzen, bleibt abzuwarten. Laut Lehnert ist noch keine finale Entscheidung gefallen. Doch er will standhalten: „Wir stehen für das ein, was wir tun. Langfristig.“

Marleen van de Camp

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