Bei Abmahnungen in der Petfood-Praxis geht es meistens nicht um „skandalöse Produkte“ sondern um die Schnittstelle zwischen Produkt, Deklaration, Marketing und Recht.
Bei Abmahnungen in der Petfood-Praxis geht es meistens nicht um „skandalöse Produkte“ sondern um die Schnittstelle zwischen Produkt, Deklaration, Marketing und Recht.
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Wenn die Abmahnung kommt

Ein Thema, das immer Aktualität hat: Viele Unternehmen merken erst nach der Abmahnung, dass klare Freigabeprozesse fehlen. Dr. Melanie Thes erklärt, was Petfood-Unternehmen wirklich tun müssen.
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Plötzlich geht es nicht mehr um das Produkt, sondern um Frist, Unterlassung und Kosten. Abmahnungen gehören inzwischen zur Realität in der Heimtierbranche. Sie treffen oft gerade kleinere Marken, die schnell wachsen und sehr nah am Endkunden kommunizieren.

Viele unterschätzen: Eine Abmahnung ist selten nur juristisch. Meist geht es um die Schnittstelle zwischen Produkt, Deklaration, Marketing und Recht.

Was passiert als Erstes?

Der erste Impuls ist Aktionismus.

  • „Wir ändern das schnell.“
  • „Wir nehmen das Produkt offline.“
  • „Wir schreiben denen sofort zurück.“
  • „Wir unterschreiben einfach, damit Ruhe ist.“

Genau das ist gefährlich. Sie müssen schnell reagieren. Aber Sie dürfen nicht kopflos reagieren. Die erste Regel lautet: Unterschreiben Sie nichts ohne spezialisierten Anwalt. Unterlassungserklärungen binden Sie oft jahrelang. Ein falscher Satz kann Sie später bei jedem neuen Produkt wieder einholen. Der Anwalt muss fachlich verstehen, ob Claim, Zutat und Produkteinstufung belastbar sind. Und genau hier beginnt die fachliche Arbeit.

Worum geht es in Abmahnungen in der Petfood-Praxis wirklich? Die meisten Fälle drehen sich nicht um „skandalöse Produkte“. Sie drehen sich um Sprache. Ein paar typische Beispiele aus der Praxis:

Darm und Kotabsatz

Ein Snack wird beworben mit „Hilft bei Durchfall“ oder „Stoppt akuten Durchfall“. Das sind Krankheitsbezüge und rechtlich hochriskant.

Was möglich ist, hängt vom Produktstatus ab. Ergänzungsfuttermittel dürfen nur unterstützend formulieren. Diät-Ergänzungsfuttermittel brauchen eine exakt passende Zweckbestimmung und Pflichtangaben.

Ähnlich kritisch sind Aussagen zu Entzündung, Schmerz oder Angst. Hier rutscht Marketing schnell in den Arzneimittelbereich.

Warum trifft es so oft die Kommunikation?

Weil Petfood ein emotionaler Markt ist. Menschen kaufen nicht nur Protein und Fett. Sie kaufen Hoffnung. Und Unternehmen wollen erklären, warum ihr Produkt einen Unterschied macht.

Das Problem ist: Das Futtermittelrecht funktioniert nicht wie klassische Konsumentenwerbung. Sie können nicht einfach schreiben, was sich gut anfühlt. Sie müssen schreiben, was rechtlich und fachlich belastbar ist.

Was Unternehmen nach einer Abmahnung falsch machen:

  • Fehler 1: Es wird nur ein Wort ersetzt.
    Ein Wort austauschen reicht nicht. Oft muss die gesamte Einstufung, Zweckbestimmung und Kommunikation überprüft werden.
  • Fehler 2: Es wird nur das Etikett geändert.
    Dabei steht derselbe Claim noch auf Amazon. Oder im Newsletter. Oder auf der Händlerseite. Abmahner…
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