Daniel Taurer und Conny Pint haben Herosan gegründet und ­bestimmen weiter.
Daniel Taurer und Conny Pint haben Herosan gegründet und ­bestimmen weiter.

Herosan

„Sternenstaub allein reicht uns nicht“

Mit Reploid und Biogena im Rücken will Herosan vor allem in Deutschland wachsen. Geschäftsführer Daniel Taurer über Außendienst, Claims und Prävention beim Tier.

Seit Ende Juni hält die börsennotierte Reploid Group mehr als 50 Prozent an der steirischen Herosan, im August stieg Biogena mit 13,7 Prozent ein; 33 Prozent liegen bei den Gründern Cornelia Pint und Daniel Taurer. Taurer beschreibt sich und sein Team als „Idealisten mit einer kapitalistischen Notwendigkeit“. pet wollte von ihm wissen, wer nun entscheidet, was der Fachhandel davon hat und was hinter seiner These steckt, die Gesundheitstrends der Menschen kämen beim Tier an.

Herr Taurer, Reploid hält die Mehrheit. Wer entscheidet künftig über Sortiment und Rezepturen?

Das machen Conny Pint und ich, da ändert sich gar nichts. Uns war wichtig, keinen reinen Finanzinvestor zu holen, sondern Partner mit Netzwerk und Know-how, damit wir leichter skalieren können.

Warum hat Reploid aufgestockt?

Geplant war, das Ganze zu dritt zu machen. Unser dritter Gesellschafter hat sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen, Reploid hat seine Anteile übernommen. Im Gegenzug wollten wir uns wieder diversifizieren. Mit Biogena gab es seit drei Jahren Gespräche, das war der richtige Zeitpunkt.

Biogena führt mit Biogena Pets eigene Ergänzungsmittel. Wie grenzen Sie sich ab?

Wir kommen aus der Veterinärmedizin und betreuen rund 10.000 Tierärzte in Europa. Mit diesem Netzwerk helfen wir Biogena, die junge Marke beim Tierarzt und im Fachhandel zu platzieren. Umgekehrt nutzen wir deren Produktionskapazitäten.

Wo sehen Sie das größte Potenzial?

Sehr stark in Deutschland. Österreich bespielen wir schon recht gut. In Deutschland haben wir in der Veterinärmedizin wie im Fachhandel noch ganz viel Luft nach oben. Dazu kommt die Internationalisierung, Schritt für Schritt. Wir wollen nicht zu Tode wachsen.

Was planen Sie beim Sortiment?

Wir wollen das Portfolio erweitern. Hund und Katze, unser Steckenpferd, haben noch ganz viele Probleme, die wir mit neuen Produkten hoffentlich lösen können. Pferd auch ein klein wenig. Die Konzentration bleibt auf der Tiergesundheit.

Wie organisieren Sie den Vertrieb?

Wir setzen ganz stark auf den Außendienst. Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig, da nützt uns der Großhandel wenig. Das ist kostspielig, aber: Nur wer besucht, verkauft. Wir suchen im gesamten Bundesgebiet, getrennt für Fachhandel und Tierärzte, weil der Handel eine andere Betreuung braucht als die Praxis.

Das Nassfutter von EntoVital aus Insektenprotein mit Kartoffel.
Das Nassfutter von EntoVital aus Insektenprotein mit Kartoffel. (Quelle: Herosan Petfood )

Reploid will über Alimentastic in den Lebensmittelhandel. Geht Herosan mit?

Unsere Produkte sind für den Lebensmitteleinzelhandel nicht bestimmt und nicht designt. Wir unterstützen Reploid und Alimentastic aber mit unserem Know-how, etwa wenn Handelskunden Insektenprotein in Eigenmarken einsetzen wollen.

Was hören Sie von der Fläche?

Sehr viel Positives, wir sehen aber auch den Schulungsbedarf. Unsere Wirkstoffe sind nicht der Standard, Huhn oder Rind. Mit CBD arbeiten wir seit 2017 in der Veterinärmedizin, am Anfang war der Aufschrei groß. Nach bald zehn Jahren Pionierarbeit pendelt sich ein gewisses Allgemeinwissen ein. Das Gleiche sehen wir beim Insektenprotein: Dass es hypoallergen ist, hat sich bis zum Endkunden herumgesprochen.

Was hat der Händler von der Produktion in Österreich?

Preisstabilität, Rückverfolgbarkeit, Skalierbarkeit und Qualität. Pilz und Insekt kommen aus Österreich, die Schwarze Soldatenfliege inzwischen auch aus Deutschland. Das ist nicht das Günstigste und schlägt sich im Preis nieder. Aber es macht einen enormen Unterschied, ob ich Mitarbeitern sagen muss: „Das bestellen wir aus China, aber sag’s keinem“ – oder ob ich ihnen die Plantage zeigen kann.

Woran machen Sie das wachsende Gesundheitsbewusstsein fest?

An unseren Kunden und an der Veterinärmedizin. Tierbesitzer wollen nicht mehr rein pharmazeutisch behandeln, sondern komplementär, und fragen viel genauer nach: Was ist drin, wo kommt es her? Ich selbst gehe nicht gern zum Arzt. Aber kaum läuft der Hund einen halben Tag auf drei Haxen, müssen wir zum Tierarzt, sofort.

Longevity ist futtermittelrechtlich heikel. Was dürfen Sie behaupten?

Bei Claims kann man sich permanent die Finger verbrennen, auch der Mitbewerb schaut genau hin. Wir sagen nicht, dass sich damit das Leben der Hunde verlängern lässt. Tierärzte arbeiten evidenzbasiert; wo es keine Studien gibt, machen wir selbst welche, dabei arbeiten wir eng mit der Freien Universität Berlin zusammen. Sternenstaub allein ist für uns nicht ausreichend.

„
Nach bald zehn Jahren Pionierarbeit pendelt sich ein gewisses Allgemeinwissen ein.
Daniel Taurer, Co-Gründer und Geschäftsführer Herosan

Wohin entwickelt sich der europäische Tiergesundheitsmarkt?

Ich hoffe, das Bewusstsein wird noch stärker, dass ich auf das Tier positiv einwirken kann, noch bevor es krank wird – über die Ernährung und, wo sie nicht reicht, über Ergänzungspräparate. Qualität, Ursprung und Effekt werden entscheidend.

Was kommt als Nächstes aus dem Humanbereich?

Tracking. Die Selbstoptimierung mit Bändern und Smartwatches ist bei Hund, Katze und Pferd sehr stark auf dem Vormarsch. Je mehr fundiertes Feedback wir von den Tieren bekommen, desto früher können wir eingreifen.

Auf dem deutschen Markt tut sich viel. Wie stellen Sie sich auf?

Da ist momentan extrem viel Bewegung, die deutschen Produzenten schwitzen schon ein bisschen. Es wird extrem kompetitiv, ich freue mich drauf. Wir geben Gas: Dieses Jahr sind über zehn Leute dazugekommen, bis Jahresende wollen wir 40 Mitarbeiter haben. Mir fehlt nur noch Außendienst, ganz viel Außendienst.

Die Fragen stellte

Oliver Mengedoht

Zur Startseite
Mehr zum Thema
Lesen Sie auch