Dr. Jürgen Wigger führt in zweiter Generation das von seinem Vater gegründete Unternehmen im Münsterland. 
Dr. Jürgen Wigger führt in zweiter Generation das von seinem Vater gegründete Unternehmen im Münsterland. 

Bewital

Zunächst ein Nebenprodukt

Bewital hat an seinem Stammsitz rund 23 Mio. Euro in ein neues Werk für Feuchtnahrung im Standbeutel investiert –Teil eines Umbaus, der ganz auf den Fachhandel zielt.

Es war nicht geplant, dass Feuchtnahrung einmal die größte Produktion am Standort im münsterländischen Südlohn-Oeding stellen würde. Als Bewital 2015 seine Trockenfutterherstellung auf ein Extrusionsverfahren mit hohem Frischfleischanteil umstellte, brauchte das Unternehmen dafür ohnehin eine Fleischvorbereitung. Die Nassfutterproduktion sei damals „zunächst eher ein Nebenprojekt“ gewesen, sagt Dr. Jürgen Wigger, Geschäftsführer der Unternehmesngruppe. „Welches Wachstumspotenzial darin steckte, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehen.“

Ausgelegt war das Werk nach seinen Worten auf sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – nach einem Jahr waren es 81. Seither habe sich der Umsatz mit Heimtiernahrung mehr als verdreifacht. 2025 lag er nach Unternehmensangaben bei 190 Mio. Euro; die gesamte Gruppe, zu der auch die Agrarsparte und die Spedition Westrans gehören, kam auf 314 Mio. Euro und beschäftigt rund 620 Menschen.

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Gut zu sehen ist hier das neue Werk 6 (grün umrandet). (Quelle: BEWITAL petfood )

Schonender behandelt

Nun folgt der nächste Schritt: Werk 6, eine Erweiterung der bestehenden Feuchtnahrungsproduktion um rund 6.000 m² auf insgesamt 10.000 m², ist im September in Betrieb gegangen. Hergestellt werden dort ausschließlich Pouches. Sie stehen inzwischen für rund 20 Prozent des Petfood-Umsatzes, und die Nachfrage – vor allem unter der Katzenmarke Leonardo – hatte die vorhandenen Möglichkeiten zuletzt überstiegen. „Wir konnten zeitweise nicht mehr alle Aufträge bedienen“, sagt Geschäftsführer Bernd van der Linde. Die neue Linie erhöhe die Pouch-Kapazität um rund 60 Prozent und verbessere damit auch die Lieferfähigkeit gegenüber dem Handel.

Die Anlage arbeitet vollautomatisch. Das Werk wurde nach Unternehmensangaben vorab komplett als 3D-Modell geplant, um Abläufe simulieren zu können. Die Beutel würden im Prozess zudem schonender behandelt als bisher, was das Risiko beschädigter Verpackungen senken soll. Manuelle Arbeit nimmt ab, dennoch entstehen zusätzliche Arbeitsplätze; gesucht werden vor allem Maschinenführer.

Die zusätzliche Kapazität soll auch neue Produkte ermöglichen. Den Anfang macht die im Oktober eingeführte Leonardo-Linie mit hohem Saucenanteil, „Delight in Sauce“, ein Segment, das Bewital bislang kaum bedient hat. Verarbeitet würden Fleischstücke statt Formfleisch, so Wigger. Ziel seien Produkte, „mit denen sich der Fachhandel qualitativ vom klassischen Lebensmitteleinzelhandel differenzieren kann“.

Der stationäre Fachhandel ist der Kanal, in dem Bewital nach eigener Darstellung groß geworden ist – und auf den das Unternehmen seinen Vertrieb neu zugeschnitten hat. 2025 trennte es sich von seinen rund 20 Großhändlern, einvernehmlich, wie Wigger betont: Man sei den Partnern dankbar, sie hätten die Marken mit groß gemacht.

Seit April ist die Umstellung abgeschlossen, Bewital beliefert nun mehr als 3.000 Händler direkt. Dafür wurde der Außendienst verdoppelt, in Ramsdorf entstand ein Standort für den Paketversand, das Logistikvolumen hat sich nach Unternehmensangaben vervierfacht.

Im Gegenzug entscheide Bewital nun selbst, wo die Marken erhältlich sind und wo bewusst nicht. Ein Vertriebssystem definiere sich nicht nur darüber, wie ein Produkt zum Kunden gelange, sagt van der Linde, Geschäftsführer Bewital Petfood. Mit einem neuen CRM-System lasse sich zudem mit jedem Händler datengestützt am Sortiment arbeiten.

BEWITAL petfood
Die neue Fertigung im Werk 6.  (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht )

Entwicklung vor Marketing

Rund 70 Prozent des Petfood-Umsatzes entfallen auf eigene Marken, allen voran Belcando und Leonardo, der Rest auf Handelsmarken. Wachsen will Wigger über die Produkte, nicht über Werbedruck. Im Trockenfutter setzt das Unternehmen auf Frischfleisch statt Tiermehl. Bei dessen Herstellung gehe viel Energie verloren, und „ein zweimal gegrilltes Steak schmeckt ja auch nicht so gut“. Zuletzt wurde in eine feinere Vermahlung investiert, die die Akzeptanz bei Katzen und kleinen Hunderassen verbessern soll. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine neue Produktionslinie für Hunde- und Katzensnacks errichtet.

Von der Kälbermilch zum Pouch

Bernhard Wigger gründet Bewital 1963; ab 1970 produziert das Unternehmen Kälbermilch, 1983 kommt eine Fettraffination hinzu. 1985 beginnt die Herstellung von Heimtiernahrung – die Kunden waren Landwirte, und die hatten Hunde. Im Jahr 2000 steigt Bewital in die Biodieselproduktion ein, verkauft die Tochter Petrotec aber 2006 wieder; im selben Jahr entsteht die Spedition Westrans. 2015 startet die Nassfutterproduktion, 2021 folgen ein neuer Sprühturm und ein Logistikzentrum, 2025 der Standort für Paketlogistik in Ramsdorf.

Bekanntheit sucht Bewital weniger über Kampagnen als im Hundesport: Auf mehr als 30 Ausstellungen im Jahr sei man präsent, dazu in Hundeschulen. Glaubwürdigkeit müsse eine Marke von der Basis her aufbauen, sagt Jan Philip „Pico“ Petershagen, der 2025 als Vertreter der dritten Generation ins Unternehmen eingetreten ist und der Geschäftsleitung angehört.

Investiert wird auch außerhalb Deutschlands, wo Bewital gut die Hälfte seines Umsatzes erzielt: Im August eröffnete das Unternehmen im chinesischen Weihai ein Feuchtnahrungswerk, das ausschließlich für den dortigen Markt produziert.

An der Eigenständigkeit soll sich nichts ändern. „Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben und gleichzeitig in allen Bereichen modernste Technologien einsetzen, erklärt „Pico“ Petershagen. „Für uns ist das kein Widerspruch, sondern die Grundlage dafür, langfristig erfolgreich zu sein.“

Wigger schlägt in die gleiche Kerbe: „Unser Ziel ist nicht, möglichst groß zu sein“, sagt Wigger. Vielmehr wolle Bewital „außergewöhnlich gute Produkte entwickeln, ein verlässlicher Partner des Fachhandels sein und gleichzeitig unsere unternehmerische Unabhängigkeit bewahren.“

Oliver Mengedoht

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