Eigentlich heißt sie EuroShop, aber ihre Macher:innen nennen die Weltleitmesse für den Investitionsbedarf des Handels das „Global Retail Festival“, und diesen Anspruch sehen sie mit der jüngsten Ausgabe ein weiteres Mal bestätigt: Zur 23. Ausgabe sind wie schon in der vorangegangenen EuroShop vor drei Jahren wieder mehr als 81.000 Besucher:innen nach Düsseldorf gekommen. Sie sind aus 141 Ländern angereist und haben sich bei 1.840 Ausstellern (zehn mehr als zuvor) aus 61 Nationen in den 14 Messehallen über deren Retail-Lösungen informiert.
„Die Euroshop 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass der Handel in seine Zukunft investiert – strategisch, technologiegetrieben und zugleich mit klarem Fokus auf Effizienz und Kundenerlebnis“, resümiert Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, und hebt „die internationale Strahlkraft, die enorm hohe Entscheidungskompetenz der Besuchenden sowie die konkrete Investitionsbereitschaft“ des Handels hervor. Schwerpunkte waren in diesem Jahr KI-basierte Anwendungen und Checkout-Lösungen, moderne LED-Lichtsysteme sowie flexible Ladenbaukonzepte.
In den sieben „Dimensionen“ der EuroShop spiegelte sich die gesamte Bandbreite des Angebots für den modernen Handel wider: Die größte, Shopfitting & Store Design, bewies mit beeindruckenden Ständen und Konzepten, wie sich der klassische Verkaufsraum zu einem multifunktionalen Erlebnis- und Begegnungsort entwickelt. In den Bereichen Expo & Event sowie, Lighting sowie Retail Marketing begeisterten das Publikum anspruchsvoller Standbau bis in die dritte Etage, stimmungsvolle Beleuchtung und eindrucksvolle LED-Screens.

In der vier Hallen umfassenden EuroCIS wurde deutlich, dass Technologie zum strategischen Rückgrat des Handels geworden ist. KI-basierte Anwendungen, automatisierte Prozesse und vernetzte Plattformen optimieren Abläufe entlang der gesamten Customer Journey – von der Warensteuerung bis zum Checkout.
Aus den Reihen der Aussteller hört man zufriedene Stimmen. Jens Wolter, Senior Key Account Manager bei ITAB Germany sagt: „Neben Self-Checkout-Lösungen für größere Warenmengen standen vor allem digitale Produktberater und Lift’n’Learn im Fokus. Dabei können Kunden ein Produkt einfach anheben und erhalten direkt die passenden Informationen. Auch Abholboxen für Onlinebestellungen und Schließfachlösungen für höherpreisige Produkte stießen auf großes Interesse.“ Wie auch der Checkout-Bereich am Messestand. Dort präsentierte die ITAB Group unter anderem Self-Checkout- und Age-Verification-Systeme, sensorbasierte Gates sowie den „Vision Hybrid Checkout“, ein Konzept, das Self-Checkouts mit einer klassischen, bedienten Kasse kombiniert.

„Auf der EuroShop war deutlich zu spüren, dass der Handel Lösungen sucht, die im Store-Alltag schnell messbare Ergebnisse bringen“, bilanzierte Glauco Frascaroli, Interimspräsident und CEO der ITAB Group. „Wir verbinden Technologie direkt mit Daten aus dem laufenden Betrieb. So können Händler nachvollziehen, wie sich beispielsweise Durchlaufzeiten und Warenschwund entwickeln. Dadurch können sie Abläufe im Store datenbasiert steuern.“ Simon Shankster, Vice President Group Commercial Development, ergänzte: „Eindrucksvoll hat die EuroShop unterstrichen, dass die aktuelle Marktsituation einer sehr gezielten Investitionsbereitschaft weicht: Händler investieren dort, wo ein direkter Mehrwert für ihr spezifisches Segment entsteht und messbare Ergebnisse erzielt werden.“
Bei Wanzl standen dieses Jahr besonders innovative Lösungen für die Retail-Logistik und Themen wie die Smartifizierung des stationären Handels im Fokus, die effizientere Abläufe ermöglichen, wie CSO Bernd Renzhofer zusammenfasste.

„Besonders gefragt waren an unserem Stand Lösungen, die aktuelle Herausforderungen im Handel konkret adressieren“, berichtete Meike Marquardt, Head of Marketing Europe, Toshiba Global Commerce Solutions. Das seien vor allem sichere Self-Checkout-Konzepte und KI-gestützte Technologien, die Abläufe im Store transparenter und effizienter machen. „Viele Gespräche drehten sich darum, wie sich Sicherheit und Kundenerlebnis besser miteinander verbinden lassen.“

Nahtloses Kundenerlebnis
Für Rüdiger Eilers, Head of Marketing von OMS Retail, hat die fünftägige Messe belegt, dass die Zukunft des Einzelhandels in der intelligenten Verschmelzung von physischen und digitalen Touchpoints zu einem nahtlosen Kundenerlebnis liege. „Besonders beeindruckend war für mich, wie sich ESL-Technologien von reinen Preisanzeigen zu umfassenden Plattformen für In-Store-Navigation und Prozessoptimierung entwickelt haben.“ Diese Entwicklung bestärke OMS darin, die Kunden künftig nicht nur bei der ESL-Implementierung, sondern bei der gesamten digitalen Transformation ihrer Filialprozesse zu begleiten.
Bei den Lichtexperten von Triulux Germany wurde ein Projekt präsentiert, über das diy bereits berichtet hat: Im „Greentopia“-Gartencenter von Kremer fungiert Licht als gestalterisches Werkzeug: von der Simulation natürlicher Sonnenstrahlen über die Inszenierung von Pflanzen bis zur atmosphärischen Einbindung der Hospitality-Bereiche. „Wer im stationären Handel erfolgreich sein will, muss Stores in emotionale Erlebniswelten wandeln“, sagte Thomas Korflür, Geschäftsführer Vertrieb. „Licht spielt dabei eine zentrale Rolle.

Bei Diebold Nixdorf waren die Besucher vor allem an erweiterten KI-Plattformlösungen zur Reduzierung des Warenschwunds sowie von Prozessverzögerungen im Checkout-Bereich interessiert sowie an den Erfahrungsberichten und Daten aus den zahlreichen Praxisprojekten. Technologisch geht der Trend laut Nino Hörtrich, Head of Global Marketing Retail, „eindeutig in Richtung des ‚Intelligent Store‘, der antizipiert anstatt reagiert. Für die Händler bleibt es aber entscheidend, dass die Technologie stets als Teil eines Gesamtkonzepts verstanden wird, mit dem sich ihre aktuellen Herausforderungen ganzheitlich angehen lassen.“
Die nächste EuroShop findet vom 18. bis 22. Februar 2029 statt. Vom 16. bis 18. Feburar 2027 öffnet die EuroCIS wieder ihre Tore.
Rainer Strnad und Oliver Mengedoht













