Paul van der Raad führte durch das Programm der ersten Interzoo Sustainability Conference.
Paul van der Raad führte durch das Programm der ersten Interzoo Sustainability Conference.

Nachhaltigkeit I langfassung

Kooperationen sind das Gebot der Stunde

Die erste Interzoo Sustainability Conference machte deutlich: Nachhaltigkeit ist in der Heimtierbranche kein Imagefaktor mehr, sondern Teil unternehmerischer Resilienz.

Noch vor dem Start der Interzoo 2026 kamen am 11. Mai in Nürnberg mehr als 100 Teilnehmer aus dem In- und Ausland zur ersten Interzoo Sustainability Conference zusammen. Das ganztägige Programm aus Keynotes, Vorträgen und interaktiven Sessions zeigte, wie stark Nachhaltigkeitsfragen inzwischen in strategische Entscheidungen der Heimtierbranche hineinwirken.

In Nürnberg diskutierten internationale Experten, wie Regulierung, Innovation und Kooperation zusammenwirken müssen, um Nachhaltigkeitsziele mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden. Eingeordnet wurden die Diskussionen von Dr. Rowena Arzt, Bereichsleiterin Messen der Wirtschaftsgemeinschaft Zoologischer Fachbetriebe GmbH (WZF), und dem international renommierten Experten und Berater Paul van der Raad, der durch das Programm führte.

Die Botschaft der Konferenz war klar: Gerade in einem von Konsolidierung, Kostendruck und verunsicherten Verbrauchern geprägten Markt muss der Fokus auf Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber liegen. Das allen Beiträgen zugrundeliegende Postulat bestand darin, dass ökologische Anforderungen, regulatorische Entwicklungen und ökonomische Ziele längst zusammen gedacht werden müssen. Wer Nachhaltigkeit systematisch in Geschäftsmodelle, Lieferketten und Kommunikation integriert, stärkt damit auch Zukunftsfähigkeit und die eigene Wettbewerbsposition.

Interzoo Sustainability Conference
Elliott Harris machte deutlich, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur politisch gewollt, sondern betriebswirtschaftlich notwendig ist. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)

Betriebswirtschaftlich notwendig

Den internationalen Rahmen setzte Elliott Harris, ehemaliger Chefökonom der Vereinten Nationen und stellvertretender UN-Generalsekretär für wirtschaftliche Entwicklung. Ausgehend von den UN-Nachhaltigkeitszielen machte er deutlich, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur politisch gewollt, sondern betriebswirtschaftlich notwendig ist.

Harris verwies auf den Klimawandel als reales Geschäftsrisiko, dessen Folgen sich etwa in volkswirtschaftlichen Klimafolgeschäden zeigen. Sein Kernsatz: „Sustainable business is good business.“ Langfristige Profitabilität setze voraus, Risiken frühzeitig zu erkennen und Nachhaltigkeit als Steuerungsgröße zu etablieren – auch in den Finanzmärkten.

Als besonders anspruchsvoll beschrieb er die Dekarbonisierung der Lieferkette. Gleichzeitig komme dem Konsumentenverhalten eine Schlüsselrolle zu: Nachhaltige Produkte müssten verständlich kommuniziert, leicht zugänglich und bezahlbar sein. Für die Petfood-Industrie gelte dies in besonderem Maße. Harris verwies auf das Spannungsfeld der Premiumisierung, wenn „Human-grade“-Produkte, also Sortimente in Lebensmittelqualität, mit proteinintensiven Rezepturen einen höheren CO2-Fußabdruck verursachen. Umso wichtiger seien alternative Proteine und ein verantwortungsvoller Ressourceneinsatz.

Mehrfach wurde zudem betont, dass der Wandel nur über Allianzen gelingt – innerhalb der Branche ebenso wie im Zusammenspiel mit Politik und Finanzwelt. Nachhaltigkeit verursacht nicht nur Aufwand, sondern hilft, Kosten und Risiken zu begrenzen. Dafür braucht es verlässliche Leitplanken, klare gesetzgeberische Anreize und einen ganzheitlichen Blick auf Tierwohl, gesellschaftliche Verantwortung und Umweltwirkung.

Wie differenziert der Markt betrachtet werden muss, zeigte Jana Rude von Euromonitor International. Trotz Konsumzurückhaltung bleibe Nachhaltigkeit relevant, werde jedoch je nach Zielgruppe sehr unterschiedlich interpretiert. Rude skizzierte Konsumentensegmente von skeptischen „Naturalisten“ über „Zero Wasters“ und „Green Spenders“ bis zu „Low-impact Livers“ und „Nature Restorers“. Für Anbieter bedeutet das: Nachhaltigkeitskommunikation und Produktkonzepte müssen deutlich präziser auf unterschiedliche Erwartungshaltungen zugeschnitten werden.

Professor Dr. Jan Beyne von der Antwerp Management School (AMS) vertiefte diese Perspektive in interaktiven Sessions mit den Teilnehmern. Im Mittelpunkt standen die größten Hürden und Potenziale nachhaltiger Entwicklung in der Heimtierbranche. Als zentrale Voraussetzungen kristallisierten sich verlässliche Regulatorik, branchenübergreifende Kooperationen und das konsequente Mitdenken der gesamten Prozesskette heraus. 

Interzoo Sustainability Conference
Scott Dowd schilderte die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung nachhaltigen Fischfangs am Rio Negro. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)
Interzoo Sustainability Conference
Professor Dr. Jan Beyne vertiefte die Perspektive in interaktiven Sessions mit den Teilnehmern. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)
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Mehr als 100 Teilnehmer aus dem In- und Ausland zur ersten Interzoo Sustainability Conference zusammen. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)
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In einer abschließenden Diskussionsrunde mit Moderator Paul van der Raad (v.l.) bündelten EPO-Präsident Svein A. Fosså, Jana Rude, Professor Dr. Jan Beyne und Jim Lamancusa die zentralen Erkenntnisse.. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)
Paul van der Raad führte durch das Programm der ersten Interzoo Sustainability Conference. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)

Erhebliche Auswirkungen

Einen globalen Blick brachte Scott Dowd ein, Naturschutzbiologe und Geschäftsführer des brasilianischen Projekts Piaba. Er schilderte die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung nachhaltigen Fischfangs am Rio Negro und machte deutlich, dass politische Entscheidungen in Europa erhebliche Auswirkungen auf andere Weltregionen haben können. Das Projekt Piaba, so Dowd, leiste einen Beitrag zur Erreichung aller 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Einen praktischen Innovationsakzent setzte die Verleihung des Interzoo Sustainability Award 2026. Ausgezeichnet wurde die Dsm-firmenich Pet Business Group. Jeff Alix, Global Head of Business Development, nahm den Preis entgegen. Prämiert wurde der Ansatz eines auf Algen basierenden Omega-3-Öls.

Jim Lamancusa, damaliger Geschäftsführer der Pet Sustainability Coalition, ordnete den aktuellen Stand der europäischen Regulatorik ein und skizzierte künftige Entwicklungen. Seine Einschätzung: Transparenz wird zur Pflicht, regulatorische Anforderungen werden komplexer, und Innovation entsteht zunehmend entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

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Bei der Verleihung des Interzoo Sustainability Award nahm Jeff Alix (M.) den Preis für die Dsm-firmenich Pet Business Group entgegen. (Quelle: Stephan Schlüter/takefive-media)

Stephan Schlüter

Takefive-Media GmbH
(Quelle: takefive-media)

ist Geschäftsführer des auf die Heimtierbranche spezialisierten Beratungs- und Marketingunternehmens Takefive-Media GmbH.

In der abschließenden Diskussionsrunde bündelten Professor Dr. Jan Beyne, Jana Rude, Jim Lamancusa und EPO-Präsident Svein A. Fosså die zentralen Erkenntnisse. Eine nachhaltige Zukunft der Heimtierbranche, so der Tenor, erfordert verlässliche Regulierung, Orientierung im Label- und Anforderungsdschungel, eine stringente Unternehmensstrategie und eine Kommunikation, die Komplexität reduziert, ohne Inhalte zu verkürzen. Vor allem aber braucht es Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Das Fazit

Die Premiere des Formats hat damit einen klaren Maßstab gesetzt. Für die Branche ist nun entscheidend, wie schnell sich die formulierten Ansprüche in belastbare Strategien, marktfähige Lösungen und tragfähige Partnerschaften übersetzen lassen.

Das ist die Langfassung des Beitrags aus der Printausgabe pet 6-7/2026.

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