„Unsere Heimtierabteilung haben wir vergrößert.“ „Das Angebot im Bereich Heimtier weiten wir gerade aus.“ Solche Sätze sind in jüngster Zeit immer wieder gefallen, wenn die diy-Redaktion, der pet-Partnertitel innerhalb des Dähne Verlagsportfolios, einen Baumarkt besucht und sich mit den Verantwortlichen dazu unterhalten hat.
Der Gesamtmarkt wächst zwar nicht, aber die Baumarktbranche scheint bei der Verteilung des (Hunde-)Kuchens Potenzial für ihr Vertriebsformat zu sehen. Aktuell ist dieser Markt rund 7 Mrd. Euro schwer; im Jahr 2024 wurde dieser Umsatz aus dem Vorjahr nach Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) gehalten. Der stationäre Fach- und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verzeichnete mit einem Umsatz von knapp 5,4 Mrd. Euro sogar ein leichtes Plus von 0,9 Prozent; unter Fachhandel sind neben dem Zoofachhandel, Fachmärkten und dem Landhandel auch die Fachabteilungen in Gartencentern und Baumärkten subsummiert.
Mit einem Umsatzrückgang von über 188 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr war der stationäre Zoofachhandel der große Verlierer des zurückliegenden Jahres. Keine Überraschung ist, dass der Onlinehandel stark zugelegt hat. Was eher überrascht, ist die Höhe der Zuwachsrate: Plus 14,5 Prozent auf ein Volumen von gut 1,5 Mrd. Euro. „Mit Sorge blicken wir auf einige Onlineplattformen mit anonymen Anbietern, die den Markt mit billigen Produkten für Tiere überschwemmen“, wird ZZF-Präsident Norbert Holthenrich zitiert. Gemeint sind wohl vor allem Temu und Shein.
Von Seiten der Baumärkte könnte dem traditionellen Heimtier-Fachhandel allerdings ebenfalls eine stärkere Konkurrenz erwachsen. So jedenfalls lassen sich die meisten Statements interpretieren, die die diy-Redaktion zu diesem Thema erreicht hat.
Globus Baumarkt: Sehr gut angenommen

Unser Bereich Tiernahrung und Tierzubehör wird von unseren Kunden sehr gut angenommen und ist ein Frequenzbringer. Mittlerweile bieten wir in fast allen Globus-Baumärkten Heimtierprodukte an wie zum Beispiel für Hunde, Katzen, Vögel, Kleintiere, Fische und für die Hobby-Landwirtschaft. Wir passen unsere Sortimente stetig nach Kundenbedarf und Trends an.
Joseph Leh, Warengruppenmanager Zoo
Hagebau: Starker Anstieg der Verkaufsflächen

Das Thema Heimtier ist für uns seit längerem von großer Bedeutung. In den vergangenen Jahren haben wir unser Sortiment kontinuierlich weiterentwickelt, um den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden. Dabei haben wir nicht nur unser Angebot im Bereich Hunde- und Katzenfutter ausgeweitet, der weiterhin im Fokus steht, sondern mittlerweile ein kompetentes Fachhandelssortiment etabliert. Gerade diese Vielfalt schätzen unsere Kunden besonders.
Bereits seit 2020 setzen unsere Gesellschafter verstärkt auf das Heimtiersortiment, was zu einem starken Anstieg der Verkaufsflächen in den Märkten geführt hat. Die Nachfrage zeigt, dass unser Angebot gut bei den Kunden ankommt, und wir sind zuversichtlich, dass der Heimtiermarkt weiterhin großes Potenzial bietet. Aus diesem Grund arbeiten wir kontinuierlich daran, unser Sortiment weiter auszubauen, um noch besser auf die Bedürfnisse der Tierhalter einzugehen.
Unser Sortiment umfasst eine breite Palette von Produkten, die von Futter über Pflegeprodukte bis hin zu Zubehör reichen. Besonders im Bereich Zubehör beobachten wir ein wachsendes Interesse. Lebendtier spielt in unserem Sortiment aktuell keine zentrale Rolle.
Mit unserem Fachhandelssortiment möchten wir nicht nur bestehende Kunden weiterhin mit hochwertigen Produkten versorgen, sondern auch neue Kunden gewinnen. Wir stellen fest, dass gerade die Heimtierprodukte für viele Neukunden ein Einstieg in unser Sortiment darstellen können, denn sie sind häufig auch an anderen Bereichen wie Garten oder Haushalt interessiert. Diese Cross-Selling-Möglichkeiten wollen wir auch zukünftig strategisch nutzen, um ein ganzheitliches Einkaufserlebnis zu bieten und die Bindung zu unseren Kunden zu stärken.
Jens Reinecke, Abteilungsleiter Gartenmöbel/Freizeit/Heimtier
Obi: Bedarfsorientiert ausgebaut

Über ihren Peak während der Covid-Pandemie hinaus verzeichnet die Kategorie Heimtier im Vergleich zu manch anderen Segmenten auch im aktuell herausfordernden Handelsumfeld steigende Umsätze. Sie ist deshalb für jeden Händler zunächst einmal grundsätzlich attraktiv. Über den Umsatz hinaus bringen zudem vor allem die Ge- und Verbrauchsartikel dieser Kategorie wie etwa Tierfutter, Streu oder Spielzeug eine gewisse Frequenzsteigerung in die Märkte, was ebenfalls als grundsätzlich positiv zu bewerten ist.
Vor diesem Hintergrund hat Obi bereits in den letzten Jahren sein Heimtiersortiment an ausgewählten Standorten bedarfsorientiert erweitert und plant, diesen Weg weiter auszubauen. Das kann beispielsweise bedeuten, dieses Produktsegment erstmals neu in einem Markt zu integrieren, die Flächen oder das Sortiment zu erweitern oder gegebenenfalls auch Flächen strategisch umzuplanen. Vor allem in kleineren bis mittelgroßen Märkten wird unser Fokus dabei auf einem weniger beratungsintensiven Portfolio liegen, während größere Märkten, die zum Beispiel bereits eine Aquaristik-Abteilung integriert haben, als „Expert:innen-Märkte“ positioniert werden.

Zusätzliche Frequenz durch wiederkehrenden Bedarf
Die von der NBB betreuten Bauspezi-Märkte setzen das Heimtiersortiment gezielt als Baustein ihres Nahversorgerkonzepts ein. Geschäftsführer Dirk Mende erläutert die Details.
Hat Ihr Unternehmen die Verkaufsflächen für Heimtierprodukte in den zurückliegenden ein bis zwei Jahren ausgeweitet?
In welchem Umfang?
Dirk Mende: Ja, im Zuge unserer standortindividuellen Sortimentsoptimierungen wurde das Angebot an Heimtierprodukten in vielen Bauspezi-Bau- und Heimwerkermärkten gezielt ausgeweitet. Der Umfang variiert je nach regionaler Nachfrage und vorhandener Fläche – von punktuellen Sortimentsergänzungen bis hin zu eigenen Flächenmodulen für Heimtierbedarf.
Warum?
Diese Entwicklung ist die logische Konsequenz unserer Strategie, die Sortimente in den Bauspezi-Märkten an die lokalen Kundenbedürfnisse anzupassen und zugleich die Frequenz relevanter Produktbereiche zu stärken. Dank der engen Zusammenarbeit mit dem Kiebitzmarkt-Konzept der NBB-Fachmärkte für Tier+Garten, einem Schwesterunternehmen innerhalb der NBB-Gruppe, können unsere Franchisepartner dabei auf umfassendes Know-how und erprobte Sortimentskonzepte im Bereich Heimtierbedarf zurückgreifen.
Wie haben die Kunden reagiert?
Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Gerade in mittelgroßen Städten mit eingeschränkten Alternativen im stationären Handel empfinden viele Kundinnen und Kunden das zusätzliche Angebot als willkommene Ergänzung im Rahmen des Nahversorgerkonzepts der Bauspezi-Märkte.
Planen Sie für die Zukunft eine Ausweitung des Heimtiersegments? Mit welchen Erwartungen?
Ja, der Ausbau des Heimtiersegments ist auch künftig ein fester Bestandteil unserer strategischen Weiterentwicklung. Wir erwarten dadurch eine stärkere Kundenbindung, häufigere Besuchsanlässe durch den Bedarf an Verbrauchsartikeln und eine verbesserte Wettbewerbsposition in ländlich geprägten Regionen.
Welches Potenzial sehen Sie gerade für Baumarktbetreiber im Heimtiermarkt?
Der Heimtiermarkt ist durch konstante Nachfrage und hohe emotionale Kundenbindung geprägt. Für Baumärkte mit Nahversorgungsanspruch eröffnen sich hier besonders attraktive Chancen, um sich als umfassender Versorger im Alltag zu positionieren – insbesondere dort, wo spezialisierte Fachgeschäfte fehlen.
Welche Produktgruppen umfasst das Sortiment, das Sie Ihren Kunden in diesem Bereich anbieten? Und wie verändert es sich? Welche Sortimentsschwerpunkte bilden sich heraus?
Das Sortiment umfasst in erster Linie Futter- und Pflegeprodukte für Heimtiere, Zubehör für Hunde, Katzen, Nager, Vögel und teils auch Aquaristik-Artikel. Ergänzt wird es zunehmend durch naturnahe und saisonale Artikel wie etwa Insektenhotels oder Wildvogelfutter. Auch angrenzende Sortimente wie Angelzubehör gewinnen – nicht zuletzt seit der Corona-Zeit – an Bedeutung, unterstützt durch das Angelspezi-Konzept eines weiteren NBB-Partnerunternehmens.
Spielt Lebendtier eine Rolle?
Nein, das Thema Lebendtier wird bei Bauspezi bewusst nicht mehr verfolgt. Zum einen ist es aufgrund der meist begrenzten Verkaufsflächen nicht praktikabel, zum anderen erfordern Haltung und Verkauf von Lebendtieren umfangreiche gesetzliche Auflagen, die in unserem Konzept nicht darstellbar sind.
Wenn wir auf den Kunden schauen: Sprechen Sie damit neue Kunden an? Inwieweit sind typische Heimtier-Kunden auch für die anderen Sortimentsbereiche relevant?
Definitiv. Heimtierkunden bringen durch ihren wiederkehrenden Bedarf zusätzliche Frequenz in die Märkte. Gleichzeitig besteht eine hohe Affinität dieser Kundengruppe zu weiteren Sortimenten – von Gartenzubehör über Haushaltswaren bis hin zu DIY-Produkten. Damit leistet das Heimtiersortiment einen wichtigen Beitrag zur Kundenbindung und zur Stärkung des Gesamtumsatzes.
Toom: Tiernahrung mit Wachstumspotenzial
Der Bestand an Haustieren hat sich in den letzten Jahren in Deutschland erhöht. Besonders beliebt sind Katzen und Hunde und Kleinsäugetiere. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung des Tierzubehörmarktes und die Notwendigkeit, unser Angebot bei Toom kontinuierlich für unsere Kundinnen und Kunden zu erweitern und zu verbessern.
Der Bereich Tierzubehör gehört demnach auch zu den Segmenten mit signifikantem Umsatzwachstumspotenzial, insbesondere der Tiernahrungsbereich. Wir beobachten einen klaren Trend hin zu hochwertigen Tiernahrungsmitteln, der durch die steigenden Erwartungen unserer Kunden an Qualität und Vielfalt getrieben wird. Um dem Wunsch unserer Kunden nachzukommen, werden wir weiterhin den Tiernahrungsbereich stetig erweitern.
Der Verkauf von Lebendtieren spielt hingegen eine sehr untergeordnete Rolle. Toom hat den Verkauf von lebenden Tieren, mit Ausnahme von Zierfischen, bereits vor einigen Jahren vollständig eingestellt.
Bauhaus: Zuspruch fürs Sortiment Wildtiere
Bauhaus hat national bereits vor rund fünf Jahren das Thema Heimtiernahrung sowie Zubehör für Hund, Katze und Kleintiere an den drei Standorten Bonn, Dresden und Reutlingen in das Sortiment aufgenommen und verprobt, jedoch mit überschaubarem Erfolg.
Aktuell strebt Bauhaus keine weitere (nationale) Ausweitung des Sortiments für Haustierbedarf an, verzeichnet jedoch unterdessen einen breiten Kundenzuspruch beim stetig wachsenden Sortiment für Wildtiere, Behausungen und Futter, die ein klares Indiz für ein nachhaltig wachsendes Kundenbewusstsein für die Themen naturnahes Gärtnern sowie mehr Biodiversität im eigenen Garten darstellt.
Helmut Rödiger, Bereichsleiter Einkauf Garten bei Bauhaus












