Großen Applaus gab es ziemlich genau vor einem Jahr im Oldtimermuseum Da Capo in Leipzig: Im Rahmen des Heimtier-Kongresses gewannen Kerstin und Marion Käfer mit ihrem Start-Up Lumiies den pet Best Newcomer Award 2025. Was seit dem Gewinn passiert ist, wie sich die junge Marke weiterentwickelt hat und wo die beiden Gründer-Schwestern heute stehen – darüber sprachen sie mit pet-Redakteurin Sarah Daubert.
Wenn Sie ein Jahr zurückdenken: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Best-Newcomer-Award?
Der Sieg war für uns vor allem eine schöne Bestätigung: dass unsere Arbeit ankommt, und dass wir auf dem richtigen Weg sind. Er hat uns richtig Schwung gegeben. Der Abend war eine wunderbare Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, mit denen wir bis heute auch privat im regen Austausch stehen. Ein besonders schöner Moment: Der Award war gleichzeitig ein großartiges Geburtstagsgeschenk für Kerstin.
Wie haben Sie die erste Zeit nach dem Gewinn des Newcomer-Wettbewerbs erlebt?
Erst im Nachhinein wurde uns bewusst, wie viele andere Unternehmen sich ebenfalls beworben hatten und wie viel dieser Award auch anderen jungen Gründerinnen aus der Branche bedeutet hätte. Wir wurden proaktiv auf die Auszeichnung angesprochen, was uns diese Dimension noch einmal deutlich vor Augen geführt hat. Gleichzeitig erreichten uns großartige Händleranfragen aus dem In- und Ausland, eine sehr schöne Bestätigung unserer Arbeit.
Viele Erfolge schlossen sich an, damit aber auch Pflichten und Herausforderungen. Was hat bei Ihnen die größten Fragen aufgeworfen?
Die größten Fragen kamen aus dem unromantischen Teil des Wachstums: Supply-Chain-Management, Compliance und eine schier endlose Liste an bürokratischen Anforderungen. Die zentrale Herausforderung war und ist, Nachfrage und Wachstum in der richtigen Balance zu halten, also unsere Produktionsmengen so zu steuern, dass wir gesund skalieren und gleichzeitig zuverlässig lieferfähig bleiben.

Mit der erhöhten Nachfrage stieg auch das Maß an Skalierung, Produktionskapazitäten und Lieferkette. Wie sind Sie dem begegnet?
Wir sind dieser Entwicklung vor allem mit Respekt begegnet, verbunden mit der Frage, wie wir unser Sortiment künftig noch gezielter aufstellen können. Ein wichtiger Schritt war die Verteilung unserer Produktion auf mehrere Lieferanten, um Ausfälle oder Verzögerungen abzufedern, gerade angesichts globaler Krisen sowie schwankender Rohstoff- und Transportkosten. Als junges Unternehmen muss man an vielen Schrauben gleichzeitig drehen, stets mit dem Fokus auf gesundes Wachstum und Wirtschaftlichkeit.
Was dachten Sie damals bei der Gründung, wie sich Ihr Leben durch Lumiies verändern würde, und wie ist es heute wirklich?
Das Gute an der Gründungsphase ist die Euphorie und der grenzenlose Elan, vielleicht sogar eine Portion Naivität, mit der man glaubt, die eigene Idee könne ganz groß werden. Wir hätten damals nicht gedacht, wie turbulent und intensiv unser Leben dadurch werden würde. Danach folgen all die Themen, die eine saubere, rechtskonforme Abwicklung erfordern, von erweiterten Markenrechten über Compliance bis zu Import und Export. Ein wichtiger Lernschritt war zu erkennen, wo die eigene Kompetenz nicht mehr ausreicht, und sich dort bewusst Expertise an die Seite zu holen.
Sie haben Sicherheit mit High-Fashion kombiniert. Haben Sie im letzten Jahr gemerkt, dass sich das Bewusstsein der Hundehalter wegbewegt hat von „Hauptsache funktional“ hin zu „Sichtbarkeit mit Style“?
Das nehmen wir sehr klar wahr, besonders bei unserer Zielgruppe, die stark von Millennials geprägt ist. Früher war das Angebot am Markt oft auf reine Funktionalität beschränkt. Heute ist der Anspruch deutlich gestiegen: Ein Produkt soll mehrere Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen, es soll seinen Zweck erfüllen und dabei richtig gut aussehen. Vor drei Jahren sind wir mit unserem mutigen und ausgefallenen Design in der Branche gestartet, die bis dahin vor allem aus Grau und Beige bestand, und haben dafür großartige Rückmeldungen erhalten.

Welche Unterschiede waren beim internationalen Markenaufbau spürbar, im Vergleich zum Heimatland?
Im eigenen Land, in der eigenen Sprache und in einer Branche, in der man sich auf Messen, Events und Social Media ohnehin begegnet, war der Markenaufbau zu Beginn leichter, man macht sich schneller einen Namen. International haben wir einen echten Wow-Effekt erlebt. Da wir uns aber nicht in allen Ländern gleichzeitig fokussieren können, war für uns klar: Das Grundgerüst muss stehen, damit man für neue Märkte bereit ist, bevor man sich auf einzelne Länder spezialisiert und von dort aus die nächsten Schritte geht. Themen wie Compliance, länderspezifische Richtlinien und unter schiedliche Strukturen im stationären Handel zeigen: andere Länder, andere Bedürfnisse.
Die wichtigste Lektion: Was haben Sie in den letzten 365 Tagen über sich selbst gelernt?
Die wichtigste Erkenntnis war die Endlichkeit eines Tages: Man kann nicht jeden Termin annehmen und nicht überall dabei sein, und auch das „Nein“ gehört dazu, ganz ohne FOMO. Dazu kamen Resilienz und der bewusste Ausbau des eigenen Kompetenzbereichs. Ein wichtiges Learning war zudem, keine wesentlichen Entscheidungen in der Euphorie einer Messe zu treffen, sondern ihnen bewusst Abstand und einen klaren Kopf zu geben.

Gibt es schon Erfahrungen, die Sie anderen Gründern und Start-ups in der Heimtierbranche mit auf den Weg geben würden?
Investiert von Tag eins in eine gute anwaltliche und steuerliche Beratung und stellt ruhig tausend Fragen. Behaltet Finanzen und Rücklagen im Blick, habt den Mut, Preise zu verhandeln, und lasst euch nicht verunsichern, gerade nicht von Beratern, die daran selbst verdienen. Sucht früh Anschluss in der Branche und nutzt Beratungsangebote von Behörden und Verbänden. Bei physischer Ware lohnt es sich, Fulfillment rechtzeitig auszulagern, für uns ein echter Meilenstein. Und: gesund wachsen statt vom großen Firmenauto träumen, die Gründungsphase ist selten glamourös.
Wie geht die Reise für Lumiies weiter?
Unmittelbar bringt uns die nächste Reise ins UK: Vom 27. bis 29. September sind wir auf der Pats in Birmingham vertreten, rein im B2B-Bereich, weitere internationale Fachmessen sind bereits geplant. Parallel arbeiten wir an der Erweiterung unseres Sortiments und der laufenden Optimierung unserer Prozesse.











