Seine Ehefrau Birgitt und sein ­eigenes ­kleines Rudel sind für den  gelernten Koch und Fachtrainer nicht nur Wegbegleiter, sondern auch Seelenverwandte.
Seine Ehefrau Birgitt und sein ­eigenes ­kleines Rudel sind für den  gelernten Koch und Fachtrainer nicht nur Wegbegleiter, sondern auch Seelenverwandte.

Balance-Food4dogs

„Wissen schafft Gesundheit“

Was 2016 mit der Gründung von Balance-Food4dogs begann, hat sich zu einem vielseitigen Unternehmen rund um die individuelle Ernährung entwickelt. Ernährungsspezialist Kai Schäfer erklärt, was sich in seinem Fachbereich in zehn Jahren verändert hat.

Zehn Jahre Balance-Food4dogs bedeuten nicht nur zehn Jahre Unternehmensgeschichte. Sie bedeuten auch zehn Jahre Entwicklung in der Hundeernährung – und vor allem zehn Jahre, in denen sich die Fälle, mit denen er in der Beratung konfrontiert wird, spürbar verändert haben.

Als Balance-Food4dogs im Oktober 2016 gegründet wurde, standen zunächst viele der klassischen Themen im Mittelpunkt: ältere Hunde mit altersbedingten Veränderungen, Übergewicht, Verdauungsprobleme oder die Frage, wie eine ausgewogene Ernährung im Alltag umgesetzt werden kann. Doch im Laufe der Jahre wurden die Fälle komplexer.

Balance-Food4dogs
Hundeernährung soll bedarfsgerecht, unkompliziert und lecker sein – ­Schulungen zeigen, wie es funktionieren kann. (Quelle: Balance-Food4dogs)

Vom Senior zur komplexen Erkrankung

„Was mich besonders beschäftigt, ist die Veränderung des Alters, in dem bestimmte Erkrankungen auftreten“, sagt Kai Schäfer. „Heute sitzen mir immer häufiger Halter von Junghunden gegenüber, bei denen bereits Erkrankungen oder Stoffwechselprobleme diagnostiziert wurden, die man früher eher mit deutlich älteren Hunden verbunden hätte.“ Hinzu kommen immer komplexere Krankheitsbilder. Allergien und Unverträglichkeiten spielen in der Beratung eine zunehmend große Rolle. Ebenso begegnen ihm Hunde jeden Alters mit Autoimmunerkrankungen oder mehreren gleichzeitig bestehenden gesundheitlichen Baustellen.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Frage: „Was darf mein Hund fressen?“ Viel häufiger lautet das eigentliche Thema: „Wie können wir die Ernährung an genau diesen Hund und seine Erkrankung anpassen?“

Diese Veränderung hat auch seine eigene berufliche Entwicklung geprägt: Von der allgemeinen Ernährungsberatung zur Diätetik. „Mit zunehmender Komplexität der Fälle wurde für mich immer deutlicher, dass eine gute Hundeernährungsberatung nicht bei allgemeinen Fütterungsempfehlungen stehen bleiben darf“, berichtet er. Im Laufe der Jahre spezialisierte er sich immer stärker auf die krankheitsbedingte Ernährung von Hunden.

„Das bedeutet aber auch, Grenzen zu erkennen. Nicht jede Ernährungsfrage lässt sich mit einer Standardempfehlung beantworten. Bei bestimmten Erkrankungen sind Befunde, Laborwerte und die tiermedizinische Diagnose entscheidende Grundlagen, bevor überhaupt ein individueller Futterplan erstellt werden kann“, so Schäfer. „Gerade diese Zusammenarbeit zwischen Tiermedizin und Ernährungsberatung halte ich heute für wichtiger denn je.“

Die ersten Kochkurse für Hundehalter wurden online aus der heimischen Küche in Groß-Gerau veranstaltet.
Die ersten Kochkurse für Hundehalter wurden online aus der heimischen Küche in Groß-Gerau veranstaltet.

Barf war nicht das Ende der Entwicklung

Auch die Art der Fütterung hat sich in seiner Beratung verändert. Zu Beginn spielte Barf eine deutlich größere Rolle. Im Laufe der Jahre entstanden jedoch immer mehr individuelle Kochpläne. Nicht, weil Barf grundsätzlich „schlecht“ wäre – sondern weil die Realität der erkrankten Hunde häufig andere Anforderungen stellt. Kochen kann beispielsweise eine Möglichkeit sein, Zutaten gezielt auszuwählen, die Ration exakt an die jeweilige Situation anzupassen und bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffmengen gezielter zu steuern.

„Aus dem ursprünglichen Gedanken ‚Ich möchte meinen Hund möglichst natürlich ernähren‘ wurde bei vielen Kunden irgendwann ‚Ich möchte meinen Hund so ernähren, wie es seine Erkrankung erfordert.‘“ Für den Spezialisten ist es bemerkenswert, wenn (erst) eine Krankheit die Einstellung zur Fütterung verändert.

Wenn aus einer Idee eine Haltung wird

Individuelle Ernährungsberatungen, Seminare, Workshops und Kochkurse, aber auch Webinare sowie Mitarbeiter-Coachings und praxisorientierte Schulungen direkt im Arbeitsalltag: statt in zehn Jahren ist Balance-Food4dogs gewachsen – fachlich, unternehmerisch und persönlich.

Die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel entwickelte sich zu einem wichtigen Standbein. Eine besondere Rolle spielt dabei die fast neunjährige Partnerschaft mit Kölle Zoo.

Weit über das klassische Geschäftsmodell hinaus geht auch Schäfers soziales Engagement: Balance-Food4dogs ist Ernährungspate von mittlerweile 23 Hunden. Viele dieser Tiere haben schwere Schicksale, Handicaps oder komplexe Erkrankungen. Ihnen schenkt er individuelle und verantwortungsvolle Unterstützung.

Sein erstes eigenes Buch „Darmfred“ soll im Frühjahr 2027 erscheinen.

Die wichtigste Erfahrung der letzten zehn Jahre beschreibt der Ernährungsexperte so: „Erfolg bedeutet nicht, zehn Jahre lang alles richtig gemacht zu haben. Erfolg bedeutet, zehn Jahre lang bereit gewesen zu sein, dazuzulernen, sich zu verändern und trotzdem den eigenen Werten treu zu bleiben.“

www.balance-food4dogs.de

Die Entwicklung der Hundehalter ist für ihn besonders interessant. „Viele Menschen kommen nicht zu mir, weil sie grundsätzlich gegen industriell hergestelltes Futter sind, sie kommen, weil ihr Hund krank ist. Und plötzlich wird das Selberkochen interessant, aber nicht aus einer ideologischen Überzeugung heraus, sondern aus dem Wunsch, die Ernährung des eigenen Hundes möglichst individuell gestalten zu können.“ Der Napf wird vom einfachen Bestandteil des Alltags zu einem Teil des individuellen Therapiekonzeptes. Ernährung soll aber nicht als Ersatz für tiermedizinische Behandlung betrachtet werden. Sie kann diese aber – richtig eingesetzt – sehr sinnvoll begleiten.

Die Entwicklung der Ernährungsberatung lässt sich nicht isoliert betrachten, auch die Tiermedizin hat in den vergangenen zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht. Diagnostische Möglichkeiten sind umfangreicher geworden, Untersuchungen präziser und Krankheitsbilder können differenzierter beurteilt werden.

Damit verändern sich zwangsläufig auch die Anforderungen an die Ernährungsberatung. Je genauer eine Erkrankung diagnostiziert werden kann, desto genauer muss auch die Ernährung darauf abgestimmt werden können.

Für Kai Schäfer bedeutet das vor allem eines: „Stillstand ist keine Option. Wer Hunde mit Erkrankungen ernährungsfachlich begleiten möchte, muss bereit sein, sein Wissen ständig weiterzuentwickeln, neue Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen und sich mit den Entwicklungen der Tiermedizin auseinanderzusetzen.“

Als zertifizierter Hundeernährungsberater verbindet Kai Schäfer fundiertes Wissen aus der Lebensmittelbranche mit umfassender Fachkompetenz in der Hundeernährung und Diätetik. Weiterentwicklung ist für ihn das A und O.
Als zertifizierter Hundeernährungsberater verbindet Kai Schäfer fundiertes Wissen aus der Lebensmittelbranche mit umfassender Fachkompetenz in der Hundeernährung und Diätetik. Weiterentwicklung ist für ihn das A und O. (Quelle: Balance-Food4dogs)

Kein „fertiges“ Konzept

Wenn er heute auf zehn Jahre Balance-Food4dogs zurückblickt, dann sieht er nicht die Entwicklung von einem festen Konzept zu einem anderen – sondern vielmehr einen kontinuierlichen Prozess. „Die Hunde haben sich nicht einfach verändert. Unsere Möglichkeiten, Erkrankungen zu erkennen und individuell darauf zu reagieren, haben sich verändert. Die Erwartungen der Halter haben sich verändert. Und auch mein eigener Blick auf Hundeernährung hat sich weiterentwickelt.“

Aus der Frage nach dem richtigen Futter ist zunehmend die Frage nach der richtigen Ernährung für diesen einen Hund in seiner ganz individuellen Situation geworden. Und genau darin liegt für ihn der Kern einer zeitgemäßen Ernährungsberatung:

Nicht jedem Hund das gleiche Konzept überzustülpen, sondern Ernährung dort individuell zu gestalten, wo Individualität tatsächlich notwendig ist.

Nach zehn Jahren weiß er deshalb vor allem eines: „Hundeernährung ist kein fertiges Konzept. Sie ist ein Fachgebiet, das sich ständig weiterentwickelt. Und genau deshalb muss auch Beratung bereit sein, sich mitzuentwickeln.“ Mit seinem Leitmotiv bringt Schäfer seinen Anspruch auf den Punkt: Balance-Food4dogs – Wissen schafft Gesundheit.

Die Füllung des Napfs wird vom einfachen Bestandteil des Alltags, zu einem Teil des individuellen Therapiekonzeptes – und wo ein Koch am Werk ist, isst auch das Auge mit.
Die Füllung des Napfs wird vom einfachen Bestandteil des Alltags, zu einem Teil des individuellen Therapiekonzeptes – und wo ein Koch am Werk ist, isst auch das Auge mit.

Das ist die Langfassung des Beitrags aus der Printausgabe pet 11/2026.

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