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Die Kleintierlücke

Kleintiere verbringen ihr ganzes Leben in der Natur auf der Hut vor den Fängen eines Jägers. Anders ist das, wenn Sie von einem Tierhalter gehalten werden. Wie aus diesem Umstand, die so genannte Kleintierlücke entsteht, erklärt Tierarzt Dr. Rolf Spangenberg.
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Der Begriff „Kleintierlücke“ ist wenig bekannt und wird trotz seiner großen Bedeutung selten verwendet. Erklärt ist er schnell: Gemeint ist damit der Zeitabschnitt zwischen der durchschnittlichen natürlichen Lebenserwartung, etwa einer Maus, und der Lebensspanne bei vernünftiger Heimtierhaltung des Tieres. Die Maus ist in freier Natur ein typisches Beutetier und wird dort von vielen tierischen Jägern verfolgt und gefressen. Das beginnt mit den Katzen und setzt sich über Marder, Füchse, zahlreiche Greifvögel bis zu den Schlangen fort. Machen Sie übrigens bitte nie den Fehler, diese Jäger als „Räuber“, „Fleischfresser“, oder gar „Mörder“ zu bezeichnen, denn es sind Beutegreifer. Nur der Mensch hat bei seinem Tun eine moralische Dimension und ein entsprechendes Bewusstsein. Lücke zwischen Lebenserwartungen Nun klafft eine Lücke zwischen dieser biologischen Lebenserwartung in freier Natur, der vielgepriesenen Freiheit, und den Jahren, die man bei vernünftiger Heimtierhaltung der Tiere erwarten kann. Genau diese Spanne sollten Sie aber bei entsprechenden Fragen angeben. Bei einer Maus kann man vier bis fünf Jahre erwarten, in freier Natur durchschnittlich ein Jahr. Kaninchen werden um die zehn bis zwölf Jahre alt, doch nicht, wenn sie von ihren Jägern verfolgt werden. Bei praktisch allen, von ihnen angebotenen Heimtieren ist es ähnlich. Eine große - und sehr bedauerliche - Ausnahme, bildeten vor vielen Jahren, die in Massen importierten griechischen Landschildkröten. Für einen Spottpreis verkauft, dienten sie als Kinderspielzeug und wurden um die zwei Jahre alt - genauer, sie starben über zwei Jahre. Doch bei allen anderen Heimtieren pflegen die glücklichen Halter ihre Lieblinge in der „Heimtierlücke“. Weshalb ich das so betone? Erwähnen Sie es oft und gern, wenn wieder einmal in Gesprächen mit Kunden die Rede darauf kommt, wie sehr die Heimtiere bei der üblichen Haltung gequält werden. Die Leute müssten sich erst einmal überlegen, wie es den Tieren denn „vor der Tür“ ergehen würde. Von der Geburt bis zum Tod in den Fängen eines Jägers müssen sie durchweg auf der Hut sein. Keine Rast und keine Ruhe. Da ist es kein Wunder, dass diese Tiere von Natur aus scheu sind und man ihre Zahmheit mühselig erwerben muss. Wichtig ist aber zu wissen: Sie leben bei Ihnen und damit in einem behaglichen Heim des Tierhalters, in der von mir so genannten „Heimtierlücke“. Diese ist zwar unnatürlich, wird jedoch fast allen Tierfreunden besser gefallen, als der Überlebenskampf dieser…
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