Dr. Rolf Spangenberg
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Die Ratte - Ekel- oder Schmusetier?

Ratten haftet immer noch der Stallgeruch des Ekels und der Pestüberträger an. Völlig zu Unrecht, wie Tierarzt Dr. Rolf Spangenberg erklärt.
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Der Anruf bei meiner Tiersprechstunde im SWR4-Radio klang verzweifelt: "Stellen sie sich nur vor, mein Enkel will sich eine Ratte als Heimtier anschaffen!" -"Was haben sie dagegen einzuwenden?"- "Na, wegen der Infektionsgefahr!"- Antwort: "Wenn das Kind an keiner Infektion leidet und auch sonst gesund ist, kann man das verantworten!" Natürlich hatte ich die Bedenken schon richtig verstanden. Die Ratten gelten schließlich als Pestüberträger und sind mit Keimen verseucht. Nun, die Pest ist tatsächlich eine Erkrankung der Nagetiere und wurde von auf ihnen lebenden Flöhen auch auf Menschen übertragen. Es waren aber Hausratten, die heute selten geworden sind. Sie lebten eng mit Menschen zusammen, anders als die heute weitverbreiteten Wanderratten, die in Kellern und Abwasseranlagen hausen. Von dort schleppen sie auch Keime mit sich herum. Auch die im Zoofachhandel angebotenen Farbratten sind Wanderratten, allerdings aus "sauberen" Zuchten. Man kann sie mit ihren wild lebenden Vettern aus den unteren Regionen menschlicher Siedlungen nicht vergleichen. Ein gewisses Risiko besteht darin, dass sie sich beim Schmusen mit menschlichen Erregern infizieren - schließlich sind Ratten ja deshalb so geeignete Versuchstiere für die Forschung. Doch Ekeltiere sind Ratten gewiss nicht. Was können Sie also Kunden sagen, die vor Ihren Rattengehegen stehen?

Ratten als Schmusetiere

Ratten sind die einzigen Säugetiere, die auf unserer Erde häufiger vorkommen als Menschen. Körperlich sind sie ungewöhnlich leistungsfähig. Diese Nager können laufen, klettern und schwimmen und rennen im Notfall mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h. Sie weisen darüber hinaus eine Intelligenz auf, die weit höher ist, als etwa bei Kaninchen oder Meerschweinchen. Spezielle Rattenarten werden dazu abgerichtet, Landminen aufzuspüren. Dazu befähigt sie ihr Geruchssinn, der dem von Hunden nicht nachsteht. Zudem sind sie in der Lage, ihre Fortpflanzung so zu regulieren, dass ihre Nachkommen immer genügend Nahrung und Lebensraum in der unmittelbaren Umgebung finden.  
Ratten werden im Handumdrehen zahm und klettern dann vergnügt auf den ihnen vertrauten Personen herum. Im Gegensatz zu Kaninchen und Meerschweinchen sind es echte Kuscheltiere, die es genießen, mit ihren Menschen zu schmusen. Rattengehege, die Sie…
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