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Vor einem Habicht müssen sich ­Kaninchen im be­hüteten Zuhause nicht fürchten. Foto: Pixabay, erikmueller
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Dr. Rolf Spangenberg

Heimtier oder Beutetier?

Viele Heimtiere haben Artgenossen, die ihr Leben in Freiheit führen. Doch ist dieses Leben um so vieles besser, wie von manchen Seiten immer wieder behauptet wird? Dr. Rolf Spangenberg hat sich dazu seine Gedanken gemacht.
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Die im Zoofachhandel verkauften und von Tierfreunden gepflegten Tiere führen hoffentlich immer ein schönes Leben. Sie sind gesund, werden gut ernährt, sind artgerecht untergebracht und vor Fressfeinden geschützt. Doch bei kritischer Betrachtung fällt auf, dass sie etwas entbehren müssen - ihre offenbar goldene Freiheit, die ihre frei lebenden Artgenossen so überreichlich genießen können. Was lässt sich gegen dieses unzweifelhaft zutreffende Argument sagen, das ja eigentlich den ganzen Tierhandel infrage stellt? Geht es den frei lebenden Tieren - nicht nur den im Zoofachhandel angebotenen - wirklich so gut? Kann man davon ausgehen, dass sie sich glücklicher und zufriedener fühlen als ihre in menschlicher Obhut befindlichen Artgenossen?

Lebensentwürfe im Fokus

Schauen wir uns einmal die Lebensformen, die Lebensentwürfe der verschiedenen Tierarten, möglichst objektiv an: Ganz grob kann man die unglaublich vielfältige Tierwelt in zwei große Gruppen einteilen: In die Jäger und die Beutetiere. Nahezu alles, was so auf unserer Erde lebt, ist entweder auf die Jagd angewiesen oder muss sich vor den Jägern hüten, die ihm nach dem Leben trachten. Nur wenige Tiere haben keine natürlichen Feinde. Dazu gehören beispielsweise die Elefanten, die sich als Heimtiere in unseren Breiten aber nie so recht durchsetzen konnten. Von den Frettchen einmal abgesehen, sind alle im Zoofachhandel angebotenen Heimtiere in freier Natur die Beute ihrer natürlichen Fressfeinde. Nehmen wir nur einmal die beliebten Kaninchen. Nahrungssorgen haben sie kaum. Sie können vorzüglich hören, haben eine komplette Rundumsicht, riechen vortrefflich und flitzen bei nahender Gefahr in ihren Bau. Sie werden von oben - Habicht - und von unten - Fuchs, Marder - bedroht. Deshalb sind sie ständig auf der Hut. Wenn ihre Sinne durch Alter oder Krankheit abstumpfen, haben ihre Fressfeinde leichtes Spiel. Sie fischen aus der Gruppe die behinderten Einzeltiere heraus und haben dann eine Mahlzeit. Der Vorteil, die Gruppe bleibt ständig gesund und leistungsfähig. Der Nachteil: Für das einzelne Kaninchen ist ständige Aufmerksamkeit die einzige Überlebensgarantie. Im Alter - nun ja, das Ende ist dann vorgezeichnet.
Die Jäger wiederum müssen verhungern, wenn durch Krankheit oder Alter ihre Jagdfähigkeiten…
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