Der Zoofachhandel braucht in den kommenden Jahren Fachkräfte mit Herz in großer Zahl, um auch in Zukunft in der Fläche präsent zu sein. Aber stehen denn die Fachkräfte mit Herzblut wirklich Schlange?
Als Kind der 1980er und 1990er kenne ich noch die goldenen Zeiten des stationären Zoohandels. Denn seit ich denken kann, hatte ich immer Haustiere und habe mir an den Scheiben der Zooläden die Nase plattgedrückt. Aus dieser Zeit ist mir eine Geschichte bis heute ins Gedächtnis eingebrannt geblieben.
Die Geschichte nahm ihren Anfang, als in der fünften Schulklasse Bewerbungschreiben geübt werden sollten. Für mich war glasklar: Ich bewerbe mich bei einem Zooladen. Es war ein Geschäft in einem jener Einkaufszentren, die in den 1990er-Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen. Die Bewerbung gefiel, ein Schnupperpraktikum folgte. Vogelnäpfe reinigen und befüllen, Aquarienschwämme auswaschen, Meerschweinchen füttern – ich war selig. Besonders imponierte mir der Unternehmergeist, den ich spürte; mein inhabergeführter Praktikumsbetrieb expandierte an mehreren Standorten kurz hintereinander.
Als dann einige Jahre später, in der neunten Klasse auf dem Gymnasium, erneut das Thema Praktikum im Lehrplan stand, musste ich nicht lange überlegen. Ich wollte dieses Praktikum, immerhin dreiwöchig, unbedingt im stationären Einzelhandel absolvieren.
Diesmal sollte es einer jener Läden sein, die damals als XXL galten. Ein paar tausend Quadratmeter in einer ehemaligen Lagerhalle in einem Gewerbegebiet. Inhabergeführt und unternehmerisch beherzt hatte sich dieses Zoogeschäft in kurzer Zeit regional einen Namen gemacht, die Kundschaft kam den weiten Weg bis in das Gewerbegebiet am Stadtrand. Abermals war eine Bewerbung schnell geschrieben und bald kam die Zusage.
Doch dann geschah, womit ich nicht gerechnet hatte. Meine Lehrer freuten sich nicht etwa über die rasche Zusage. Stattdessen begannen sie, anfänglich ganz sachte, mich von der Möglichkeit alternativer Praktikumsangebote überzeugen zu wollen. Vielleicht bei einem bekannten Autobauer in der teilautomatisierten Dreischichtfabrik? Oder beim internationalen Luftfahrtunternehmen, das Weltraumtechnik entwickelt?
Ich fand ihre Bemühungen anfangs noch schmeichelhaft. Später dann, als sie mit immer mehr Nachdruck meine Entscheidung in Frage stellten, übergriffig und vermessen. Das Praktikum in dem XXL-Zoogeschäft habe ich – ich wusste ja, was ich wollte – mit viel Freude absolviert. Es ist mir bis heute als eine wertvolle Erfahrung in Erinnerung.
Jens Crueger
Ehemaliger Landtagsabgeordneter, Berater für Politik und Unternehmen, Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen, Präsident des Aquarienverbandes VDA.
www.crueger.info
Ich erfuhr durch diese Episode, wie gering das Ansehen des Zoohandels als Berufsfeld bei meinen Lehrern war. Ich muss oft daran denken, wenn ich heute lese und höre, wie groß der Mangel an Fachkräften im Zoohandel ist. In Zeiten, wo viele Bereiche nach qualifizierten und motivierten Beschäftigten suchen, ist ein gutes Image entscheidend. Kein Wunder, dass große Konzerne viel Geld in das sogenannte „Employer Branding“ investieren, in das Entwickeln einer Arbeitgebermarke. Sie versuchen, sich als möglichst attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. Auch der Zoohandel sollte stärker zeigen, was für ein spannendes Arbeitsfeld er zu bieten hat.
Dabei muss sich die Zoohandelsbranche als Berufsfeld keinesfalls verstecken. Unternehmergeist und Mut zu Veränderungen sind Gebote der Zeit. Die Digitalisierung mit all ihren Konsequenzen, Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, ein sich in Teilen verändernder Blick der Gesellschaft auf Heimtiere – die Herausforderungen für die Branche sind zahlreich. Um im Zoofachhandel erfolgreich zu sein, braucht es Fachkräfte mit Herz. Diese zu finden, wird aber nicht leicht.












