Künstliche Intelligenz im Futterwerk, Insektenprotein und kultiviertes Fleisch, Handelskonzepte aus Skandinavien und Irland, Wachstumsmärkte in Südosteuropa und Südostasien: Die International Pet Conference in Kopenhagen bündelt am 13. und 14. Oktober, was die Heimtierbranche derzeit umtreibt – und bringt die Menschen dahinter an einen Tisch.
Wer wissen will, wohin sich die Heimtierbranche entwickelt, muss viele Gespräche führen. Oder nach Kopenhagen fahren. Dort verdichtet die International Pet Conference (IPC), veranstaltet vom Fachmagazin PET worldwide, der internationalen Schwesterzeitschrift von pet, an zwei Tagen, was sonst über Monate in Messehallen, Webinaren und Marktreports verstreut ist. Unter dem Motto „Pets, People, Progress – Developing the pet industry together“ treffen sich im Radisson Blu Scandinavia Hotel Entscheiderinnen und Entscheider aus Handel, Industrie und Verbänden – und der Blick geht diesmal deutlich über Mitteleuropa hinaus.
Von Irland bis Südafrika
Gleich mehrere Referenten bringen Perspektiven mit, die auf deutschen Branchentreffen selten zu hören sind. Anthony Gallagher hat mit Petstop Irlands führenden unabhängigen Heimtierfachhändler aufgebaut, nachdem er 2000 mit dem Platzen der Dotcom-Blase beinahe alles verloren hätte; heute liegt der Eigenmarkenanteil seines Unternehmens nach eigenen Angaben bei 25 bis 30 Prozent des Umsatzes. Im Bühnengespräch mit Oliver Mengedoht erzählt er, warum er Private-Equity-Angebote ausschlug und wie sein Führungsteam seit fast 30 Jahren zusammenhält. Ellinor Persdotter Nilsson, Chief Commercial Officer der Musti Group, schildert den Weg des nordischen Filialisten zum europaweiten Akteur, Per Lausen (Eldorado A/S) ordnet in seiner Keynote den nordischen Markt mit seinen Trends ein.
Am zweiten Tag weitet sich der Radius: Timo Tervo, CEO von Pet Network International, berichtet, wie in den fragmentierten Märkten Südosteuropas ein Filialist mit 300 Standorten entsteht. Gavin Vermeulen vom südafrikanischen Hersteller Montego erklärt, wie die Herkunft aus der Karoo-Halbwüste zum Verkaufsargument in Europa wird, und Marco Hutterer (Ammersea Group) macht deutlich, warum in Südostasien Integration statt reiner Distribution über künftiges Wachstum entscheidet.

KI, Insekten und Zellkulturen
Zwei Themen, die in vielen Unternehmen gerade auf der Agenda stehen, bekommen einen eigenen Block. Jan Philip Petershagen aus dem Executive Team der Bewital Holding zeigt am Praxisbeispiel des Futtermittelherstellers, wo künstliche Intelligenz im Betrieb tatsächlich Nutzen stiftet. Anschließend debattieren Stephan Thomeczek (Protix), Hermann Sloot (Calysta Germany) sowie Marcel Hoffmann und Bert Fuhrmann (beide Marsapet) über alternative Proteine und verantwortungsvolle Beschaffung, ehe Jan Luprich (BeneMeat) erläutert, wie kultiviertes Fleisch für Tiernahrung industriell hergestellt werden soll.
Den Rahmen dazu liefern Marco Hierling (Alpha Pet) mit der These, dass gesundes Futter die Premium-Nische verlässt und zum Standard wird, Pavel Bouška, Chairman of the Board der Vafo Group, mit einem Blick über das Futter hinaus, sowie Liseth Galvis-Corfe von Euromonitor mit den Daten zu den europäischen Schlüsseltrends.
Dass Wachstum auch Verpflichtung bedeutet, zeigt der Nachmittag des ersten Tages. Carmen Borsche und Stephanie Müller-Strauß (beide Nestlé Purina PetCare) sprechen über die mentale Gesundheit von Tierärzten und die Rolle der Industrie. Svein A. Fosså und Nathalie Gamain, Präsident und Generalsekretärin der European Pet Organization (EPO), widmen sich der verantwortungsvollen Beschaffung von Tieren. Und wer sich fragt, wie es mit Interzoo, Zoomark und CIPS weitergeht, bekommt Antworten aus erster Hand: Dr. Rowena Arzt (WZF/Interzoo), Pascale Sonvico (Zoomark International) und Chris Li (CIPS) diskutieren über die Zukunft der internationalen Leitmessen.
Awards bei der Abendveranstaltung
Mittendrin im Programm stellen sich die Nominierten des PET worldwide Best Newcomer Award 2026 in fünfminütigen Pitches vor. David Bader-Egger und Teresa Stockinger (DoPetMe, Österreich) machen aus dem Versandkarton ein wiederverwendbares Katzenhaus, Katinka Vendler-Simon (Lost Garden Canine, Ungarn) setzt auf ein systemisches Gelenkpflege-Konzept, Corben Pape (PetRhein, Deutschland) vertreibt mit der Marke AstroPet App-gesteuerte Katzentoiletten, Trinkbrunnen und Futterautomaten, Lisa Vannini und Nadja Chylla (Tasty Petfood, Deutschland) liefern schonend gedämpftes Frischfutter im Glas per Abo, und Ewa ˙Zurkiewicz (Wildove, Polen) hat mit Joy&Toy! ein Überraschungsei aus Snack und Spielzeug entwickelt. Bis zum 5. Oktober können die Leser von pet und PET worldwide unter www.petworldwide.net/bestnewcomer abstimmen; ihre Stimmen zählen zur Hälfte, die andere Hälfte kommt von den Konferenzteilnehmern. Verliehen wird der Preis am Abend des ersten Tages, gemeinsam mit der Auszeichnung zur PET worldwide Personality of the Year 2026, bei der von Vafo unterstützten Abendveranstaltung im Konferenzhotel.
Wer schon tags zuvor anreist, kann beim Get-together mit einer 90-minütigen Bootstour durch Hafen und Kanäle und anschließendem Abend im Dachrestaurant „The View“ in die Konferenz starten. Die auf 100 Personen begrenzte Veranstaltung ist bereits fast ausgebucht. Ohnehin gilt: Wer die Gespräche in Kopenhagen nicht verpassen will, sichert sich sein Ticket jetzt unter www.pet-conference.com.











