Bald halte ich auf einer großen Branchenveranstaltung einen Vortrag, auf den ich mich schon sehr freue. Seit einigen Wochen bereits sortiert mein Mailpostfach regelmäßig bestimmte Mails in den Spam-Ordner, die sich genau auf dieses Event beziehen. Auch wenn die Spam-Funktion manchmal Unsinn treibt, in diesem konkreten Fall hat sie recht. Die besagten Mails sind tatsächlich Spam, denn sie wollen mir die angebliche Teilnehmerliste des Branchenevents verkaufen.
Die Absender besitzen überhaupt keine exklusiven Listen aller Tagungsteilnehmer. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schützt nämlich solcherlei Informationen sehr penibel, weshalb nur die Veranstalter von Tagungen wissen, wer teilnehmen wird. Das Einzige, was man eventuell von den Mailabsendern erhalten kann, sind Listen mit zusammengesuchten öffentlich zugänglichen Daten möglicher Tagungsteilnehmer.
Zugleich können solcherlei halbseidenen Mails Schadsoftware wie Viren oder Trojaner enthalten oder auf Websites verlinken, die mit Malware verseucht sind. Das Angebot der Teilnehmerlisten ist außerdem nicht gratis, und hier droht kräftige Abzocke. Wer auf eine solche Mail reagiert, wird zudem künftig noch mehr ähnliche Mails erhalten – denn aktiv genutzte Mailadressen sind begehrt und werden gehandelt.
Aber nun zur wichtigsten Frage: Sollte man sich im Vorlauf einer Konferenz überhaupt Gedanken machen, wer teilnehmen wird? Ich behaupte ja, denn solche Veranstaltungen sind hektisch und schnelllebig. Es ist daher klug, im Vorhinein zu überlegen, welche Begegnungen bei einem solchen Anlass möglich sind und wie man sie nutzen kann.
Gerade weil man auf Branchenevents viele bekannte Gesichter trifft, ist die strategische Vorbereitung wertvoll. Welchen altbekannten, aber auch welchen bislang unbekannten Personen wird man voraussichtlich begegnen? Mit welchen dieser Menschen möchte man ausführlicher sprechen? Es ist sinnvoller, sich bei knapper verfügbarer Zeit mit wenigen Menschen länger und tiefgründiger zu unterhalten, als mit möglichst vielen Anwesenden nur kurz beim Handshake ein paar Sätze zu tauschen.
Wenn die Mails mit den angeblichen Teilnehmerlisten aber unseriös sind, wie gelingt dann die gute Vorbereitung für das Netzwerken auf einer Veranstaltung? Im Zeitalter von Websites und Social Media ist das leichter, als es früher war. Das Tagungsprogramm mit den Rednerinnen und Rednern ist ein Anknüpfungspunkt. Eine Suche in den Social Media liefert oftmals weitere wichtige Hinweise, wer zu einer Tagung kommen wird (#Vorfreude). Außerdem ist es sinnvoll, potenziell interessante Gesprächspartner im Voraus zu kontaktieren. Also dem Start-up oder der Person, die man auf dem Radar hat, einfach mal eine Nachricht schreiben und nachfragen, ob man sich auf der Tagung begegnen wird.
Jens Crueger
war Landtagsabgeordneter und Präsident des Aquarienverbandes VDA, ist heute Berater für Politik und Unternehmen, Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen
Auf die Personen, die man im Vorfeld identifiziert und auf der Tagung ansprechen möchte, sollte man sich entsprechend vorbereiten. Gibt es vielleicht gemeinsame Kontakte, über die man eine gewisse Vertrautheit herstellen kann (schöne Grüße von!)? Welche Themen oder Fragen könnten als „Eisbrecher“ taugen, um ein Gespräch zu starten? Will man dem Gegenüber etwas Konkretes vorstellen, so sollte man einen prägnanten Elevator Pitch in petto haben.
Aber was ist, wenn man im Alltagsstress doch nicht dazu kommt, sich rechtzeitig auf ein solches Event vorzubereiten? Dann empfehle ich die Konferenzkeks-Methode. Auf Tagungen gibt es Stehtische mit Keksen, oder zumindest mit einer Kaffeetheke in der Nähe. Dort kann man sich hervorragend platzieren, für das leibliche Wohl ist gesorgt (lecker Kekse!), und der Zufall kann seinen Zauber entfalten. Die Begegnungen zwischen Menschen, die am Konferenz-Kekstisch passieren, sind ungeplant und spontan. Und gerade deshalb so spannend.










