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„Der Verkauf muss ehrlich und seriös sein“

Hartmut Koschorke, Inhaber des Terraristik-Groß- und Einzelhandelsunternehmens Terra Reptica in Karlsruhe, wirft dem deutschen Zoofachhandel massive Wissenslücken in der Terraristik und eine katastrophale Preispolitik vor

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pet: In welcher Situation befindet sich heute Ihrer Meinung nach die Terraristik im deutschen Zoofachhandel?
Hartmut Koschorke
Hartmut Koschorke: Die Terraristik ist heute nicht mehr so aufstrebend expansiv, wie es vor einigen Monaten noch der Fall gewesen ist. Sie stagniert auf ganzer Länge. Auch werden wohl viele Einzel- und Großhändler aufgeben müssen. Die, die es dann überstanden haben, werden dann auch wieder ihren Gewinn einfahren. Ich schätze diese Entwicklung mal auf die nächsten sechs bis zwölf Monate. Allerdings sind die meisten Probleme vieler Händler hausgemacht: Wer meint, seine Ware ohne Gewinnspanne abgeben zu müssen, soll sich nicht wundern, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht. Der Anstand verbietet es doch, Tiere als Sonderangebote oder Restposten anzubieten. Wirklich gut gepflegte und ernährte Tiere lassen sich nicht zum Billigpreis abgeben. Übrigens macht diese Entwicklung auch vor Importeuren nicht halt, denn mir persönlich sind einige bekannt, die ihre Rechungen in die Ursprungsländer nicht bezahlen.
pet: Welche Probleme haben denn zu dieser Entwicklung geführt? Und was kann man Ihrer Meinung nach dagegen tun?
Hartmut Koschorke: Der Preisverfall ist das größte Problem der aktuellen Terraristik. Da streiten sich die Händler und Hersteller um zu billig verkauftes Katzenfutter, aber an die Lebendtiere denkt da niemand. Wie ich schon sagte, bieten viele Händler ihre Tiere einfach zu billig an. Selbst Fischhändler und -züchter haben sich während des Terraristikbooms vor zwei Jahren Tiere kommen lassen, mussten aber erkennen, dass sie sich nicht so einfach verkaufen ließen. Schließlich haben sie es über den Preis versucht. Ich würde mir wünschen, dass sich eine Art Arbeitskreis der Terraristikgroß- und -einzelhändler bildet, in dem man sich unter anderem über generelle Geschäftspraktiken einigt. Auch muss der Handel bedeutend mehr gefördert werden, um das notwendige Niveau für den Verkauf von Terraristik sicherzustellen. Ich habe einigen Kunden beim Erstkontakt so eine Beratung förmlich aufgezwungen, sie einfach nicht vom Telefon gelassen. Auch habe ich schon dem einen oder anderen Kunden ganz bestimmte Tiere nicht verkauft, ihn stattdessen auf andere Tiere umgestimmt, die besser zu seinen Fähigkeiten passten. Der Verkauf von Terraristik muss ehrlich und seriös sein – dann klappt es auch mit dem langfristigen Umsatz.
450 m² Einzelhandel und 300 m² Großhandel für die Terraristik in der Innenstadt von Karlsruhe.
pet: Wie stellt sich denn der…
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