Der Begriff „getreidefrei“ hat sich als starkes Verkaufsargument bei Hunde- und Katzennahrung etabliert. Aus ernährungsphysiologischer Sicht lässt sich dieser Vorteil jedoch nicht pauschal bestätigen, erklärt Tierärztin Pia Rosenberg.
Der Begriff „getreidefrei“ hat sich als starkes Verkaufsargument bei Hunde- und Katzennahrung etabliert. Aus ernährungsphysiologischer Sicht lässt sich dieser Vorteil jedoch nicht pauschal bestätigen, erklärt Tierärztin Pia Rosenberg.
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Ernährung im Faktencheck

Evolutive Anpassung, getreidefrei und  die DCM-Debatte – verschiedene Aspekte spielen bei der Ernährung von Hund und Katze tragende Rollen. Tierärztin Pia Rosen-berg gibt in ihrem Gastbeitrag einen Über-blick zu Herkunft, Marketing und wissenschaftliche Fakten.
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Der Hund ist kein kleiner Wolf und auch die Katze ist mehr als ein reiner Fleischfresser – die Ernährung sollte nicht von Mythen, sondern von Wissenschaft bestimmt werden. Der Trend zu getreidefreiem Futter hat die Branche verändert, sorgt aber auch für Verunsicherung.

Vom Wolf zum Haushund

Zwar stammt der Haushund vom Wolf ab, doch tausende Jahre Domestikation haben deutliche Unterschiede hervorgebracht. Eine der zentralen Anpassungen betrifft die Verdauung: Hunde verfügen über mehr Genkopien für Amylase, das Enzym zum Stärkeabbau. Sie sind dadurch in der Lage, stärkehaltige Nahrung effizienter zu verwerten als ihre wilden Vorfahren. Diese Fähigkeit stellt einen klaren Vorteil in einer vom Menschen geprägten Umgebung dar – und relativiert die Vorstellung, Hunde müssten „wie Wölfe“ ernährt werden.

Ein oft übersehener Aspekt: Wenn in der Heimtierernährung über Kohlenhydrate oder Getreide diskutiert wird, geht es im Kern um Stärke – die wichtigste pflanzliche Energiequelle. Stärke steckt nicht nur in Getreide, sondern auch in Kartoffeln oder Hülsenfrüchten. Richtig verarbeitet, ist Stärke eine gut verfügbare Energiequelle, die Proteine und Fette in der Ration entlasten kann.

Und die Katze?

Katzen sind strikte Karnivoren – ihr Stoffwechsel ist vor allem auf eine protein- und fettreiche Nahrung ausgelegt und sie verfügen nur über eine begrenzte Fähigkeit, Stärke zu verdauen. Dennoch können stärkereiche Komponenten, etwa aus Getreide, auch bei der Katze Vorteile bieten. Richtig eingesetzt, können sie die Versorgung ergänzen, ohne die katzentypische Ernährungsphysiologie zu stören.

Getreidefrei: Mode oder Mehrwert?

Der Begriff „getreidefrei“ hat sich als starkes Verkaufsargument etabliert. Verbraucher verbinden damit Natürlichkeit, bessere Verträglichkeit und eine Ernährung „wie in der Natur“.  

Aus ernährungsphysiologischer Sicht lässt sich dieser Vorteil jedoch nicht pauschal bestätigen. Kohlenhydrate bleiben auch in getreidefreien Trockenfutter-Rezepturen enthalten, stammen dann aber aus anderen Quellen wie Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Hülsenfrüchten.

Für Hunde und Katzen macht das – bei sachgerechter Verarbeitung – kaum einen Unterschied, solange die Gesamtrezeptur ausgewogen bleibt. Getreide liefert neben Stärke zudem pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe und kann so einen wichtigen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten. Entscheidend ist daher nicht das Vorhandensein oder Fehlen von Getreide, sondern die ernährungsphysiologische Qualität…

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