Gesellschaftsforscher sprechen bereits seit mehreren Jahren davon, dass wir uns in einer Polykrise bzw. „Perma-Crisis“ befinden. Gemeint sind damit mehrere, sich gegenseitig verstärkende, krisenhafte Situationen. Diese Krisenhaftigkeit unserer Gegenwart kostet die Menschen viel Vertrauen und mentale Kraft. Sie zweifeln an Gewissheiten und an der Vorstellung einer besseren Zukunft. Was aber hat das mit unserem Haustierthema zu tun?
Psychologen der Universität Plymouth untersuchten vor einigen Jahren, ob Aquarien eine Wirkung auf den Betrachter haben. Sie ließen Menschen in ein Aquarium mit 550.000 Litern Fassungsvermögen und entsprechendem Fischbesatz schauen. Dabei stellten sie fest, dass sich die Studienteilnehmer nach gewisser Zeit des ins-Aquarium-Schauens innerlich entspannten. Dies ließ sich an medizinischen Kontrollwerten wie dem Blutdruck und der Herzfrequenz, und sogar an der Stimmung der Probanden nachweisen.
Eine ganze Reihe weiterer Studien bekräftigen, dass nicht nur Fische mit ihrer meist geruhsam wirkenden Schwimmweise, sondern auch Haustiere mit Fell und Federn positive Auswirkungen auf das mentale Wohlbefinden haben. Ein Haustier hilft bei der Struktur des Alltags (sei es durch den regelmäßigen Gang mit dem Hund oder dem ebenso regelmäßigen Griff zur Futterdose). Das Gefühl emotionaler Nähe kommt hinzu: Ein Haustier ist ein Wesen, dem wir vertrauen können.
Wenn nun dieses Vertrauen außerhalb der heimischen vier Wände immer mehr unter Druck gerät, die Menschen sich sorgen und die Außenwelt als belastend wahrnehmen, dann werden Haustiere immer wichtiger. Einen extremen Eindruck von diesem Verhältnis zwischen äußerer Krise und innerer Zuwendung zum Heimtier erlebten wir während der Corona-Pandemie. Für die Pet-Branche ist dies ein gesellschaftlicher Treiber, den sie unbedingt im Blick behalten muss. Der stationäre Zoohandel kann in Zeiten der globalen Unruhe und Unsicherheit einen sicheren Hafen für unsere Emotionen bieten. Einen Ort des Vertrauens. Bei mir erweckt etwa der Geruch von Nagerstreu, sobald ich ein Zoogeschäft betrete, sofort ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit. Menschen, deren Alltag von Hektik, Sorgen und Ungewissheiten bedrückt wird, können im Zoo das finden, was ihnen ihre Heimtiere zuhause auch bieten: positive Ablenkung und emotionale Wärme.
Jens Crueger
Ehemaliger Landtagsabgeordneter, Berater für Politik und Unternehmen, Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen, Präsident des Aquarienverbandes VDA
In diesem Heft ist auch von Haltung die Rede, als einer Tugend, die für die Heimtierbranche wichtig ist. Diese Haltung ganz durchzudeklinieren ist zwar anstrengend, aber lohnend. Wenn große Tech-Konzerne immer mehr Vertrauen verspielen, weil sie unsere Daten nicht nur sammeln, sondern an Sicherheitsbehörden und dubiose Datenfirmen weiterleiten – dann ist die Frage, auf welcher Software Bezahlsystem, Onlineshop oder Kundendatenbank laufen, bereits eine Frage der Haltung. Kunden können einen Online-Handel als vertrauensvollen, sicheren Hafen in Zeiten der Krise wahrnehmen, wenn Handel die entsprechende Haltung zeigt.
Menschen suchen also in Zeiten, die sie als unsicher erleben, nach Sicherheit in den heimischen Wänden, und Haustiere spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Zoofachhandel – egal ob stationär oder online – kann zu einem Ort des Vertrauens werden, der mit positiven Emotionen besetzt ist und Geborgenheit vermittelt. Dafür ist es wichtig, als Zoohandel ganz bewusst die krisenbehafteten Probleme der Welt um uns herum zu vermeiden. Es gilt, eigene Haltung zu zeigen, und dies beginnt schon bei der Wahl einer integren Computersoftware.










