Emotionen bei Heimtieren

Hirnforschung: Hunde unterscheiden negative Gesichtsausdrücke

Mithilfe der fMRT untersuchten die Forscher*innen an zwölf wachen, trainierten Familienhunden, wie das Gehirn von Hunden menschliche Gesichtsausdrücke wie Freude, Wut, Angst und Traurigkeit verarbeitet.(Quelle: Laura V. Cuaya)
Mithilfe der fMRT untersuchten die Forscher*innen an zwölf wachen, trainierten Familienhunden, wie das Gehirn von Hunden menschliche Gesichtsausdrücke wie Freude, Wut, Angst und Traurigkeit verarbeitet.
12.08.2026

Ein Team der Universität Wien hat im Magnetresonanztomografen untersucht, wie Hundegehirne auf menschliche Mimik reagieren. Das Ergebnis: Ein Lächeln wird anders verarbeitet als jeder negative Ausdruck – und auch Angst, Wut und Trauer erzeugen unterschiedliche Aktivitätsmuster.

Dass Hunde menschliche Gesichter lesen können, ist seit Langem bekannt. Die neurobiologischen Grundlagen dieser Fähigkeit waren bislang jedoch kaum erforscht. Die Arbeitsgruppe um Laura Cuaya und Raúl Hernández-Pérez vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden hat dazu jetzt Daten in der Zeitschrift iScience veröffentlicht.

In einem ersten Versuch sahen acht Hunde im Scanner Bilder fremder Menschen mit fröhlichem oder neutralem Gesichtsausdruck. Fröhliche Gesichter aktivierten den temporalen Kortex, die Aktivität reichte bis in den Nucleus caudatus – eine Region, die mit Belohnungsverarbeitung in Verbindung gebracht wird. Das deute darauf hin, dass fröhliche Gesichter für Hunde eine emotionale Bedeutung haben könnten, so Cuaya.

(Quelle: Cuaya, L. V. et al. (2026): Dog brain representations of human facial expressions: Encoding happiness and differentiating specific negative expressions)

Im zweiten Schritt bekamen zwölf Hunde Bilder zu sehen, die Freude, Wut, Angst und Trauer ausdrückten. Die genannten Regionen sprachen ausschließlich auf Freude an. Eine Auswertung des gesamten Gehirns per Machine Learning ergab darüber hinaus Muster, die Angst von Wut und Trauer trennten. Nach Angaben der Autor:innen ist das der erste Nachweis, dass Hunde zwischen bestimmten negativen Gesichtsausdrücken unterscheiden.

Die Forschenden schränken ihre Ergebnisse selbst ein: Sie bedeuteten nicht, dass Hunde Emotionen genauso erleben wie Menschen. Beteiligt waren ausschließlich Familienhunde; frei lebende Tiere könnten menschliche Signale anders verarbeiten. Und außerhalb des Scanners liest ein Hund kein Standbild, sondern kombiniert Mimik mit Körpersprache, Stimme und Geruch.

Als Nächstes will das Team untersuchen, wie Hunde diese Signale zusammenführen. Cuaya verbindet damit einen praktischen Appell: Hunde seien emotionale Wesen, die sich gemeinsam mit dem Menschen entwickelt hätten – diese Erkenntnis könne verändern, wie Halter:innen mit ihnen kommunizieren und für sie sorgen.

 

Originalpublikation: Cuaya, L. V. et al. (2026): Dog brain representations of human facial expressions: Encoding happiness and differentiating specific negative expressions. iScience: DOI: 10.1016/j.isci.2026.116900

Zur Startseite
Mehr zum Thema
Das neue Abo: Print – Digital – Online
Jetzt gratis testen
Fachzeitschrift für den Zoofachhandel und die gesamte Heimtier-Branche
Lesen Sie auch