Rund 200 Teilnehmer versammelten sich im KIN Lebensmittelinstitut.
Rund 200 Teilnehmer versammelten sich im KIN Lebensmittelinstitut.

KIN Lebensmittelinstitut | Langfassung

Eine ganze Bandbreite

Zum fünften Mal lud das Lebensmittelinstitut KIN zum Roundtable Petfood nach Neumünster – zwei Tage voller Fachaustausch über Hydrokolloide, die neue PPWR und die Zukunft der Branche.

Rund 160 externe Teilnehmer trafen sich Ende Juni im Lebensmittelinstitut KIN in Neumünster, um beim bereits fünften – und erneut ausverkauften – Roundtable Petfood über die drängenden Themen der Branche zu diskutieren. Institutsleiter Patrick Ferrier eröffnete das Jubiläum gemeinsam mit Co-Moderator Michael Alvermann (Paex). „Der Begriff Roundtable stammt wohl noch aus den Zeiten von König Artus“, so Ferrier mit einem Augenzwinkern – längst sei das Format zur festen Größe für den fachlichen Austausch auf Augenhöhe geworden. Bewusst rücke der Roundtable ein Thema in den Mittelpunkt, das im Alltag selten im Vordergrund stehe: Zutaten hielten Produkte sprichwörtlich in Form und sorgten letztlich für den Wow-Effekt. Sie seien „längst keine technologischen Nebendarsteller mehr“.

Die Keynote hielt Dr. Kathrin Langner, Geschäftsführerin des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH). Unter dem Titel „Neues aus Brüssel" gab sie Einblick in die Rolle des Verbandes für seine Mitglieder und dessen Arbeit auf europäischer Ebene in Zusammenarbeit mit der Fediaf. Im Fokus stand die zähe Wiederzulassungspflicht für Zusatzstoffe und Hydrokolloide nach der Futtermittel-Zusatzstoff-Verordnung (EG) 1831/2003. Im Kern fehlten belastbare Toleranzdaten und ausreichende Sicherheitsnachweise für alle Zieltierarten – ein zäher, langfristiger Prozess, der auch die aktuellen Wiederzulassungen von Hydrokolloiden betrifft und zu dem bislang keine zielführende Vereinbarung erreicht wurde. Abschließend fasste Langner die PPWR zusammen, die ab dem 12. August 2026 in Zwei-Jahres-Schritten stufenweise zu erfüllen ist, samt der zusätzlichen rechtlichen Herausforderungen für die Heimtiernahrungsindustrie. Ihr Fazit: Nur gemeinsam und mit starken Verbänden ließen sich die Interessen der Branche wirksam vertreten und verlässliche Rahmenbedingungen gestalten.

Marc Fink ging auf Herausforderungen bei schonend gegarten Futtermitteln ein.
Marc Fink ging auf Herausforderungen bei schonend gegarten Futtermitteln ein. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Moderator Michael Alvermann von Paex mit Dr. Kathrin Langner, Geschäftsführerin des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH), welche die Keynote „Neues aus Brüssel – Wie Hydrokolloide, Zusatzstoffe und Verpackungsrecht die Branche verändern werden“ hielt.
Moderator Michael Alvermann von Paex mit Dr. Kathrin Langner, Geschäftsführerin des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH), welche die Keynote „Neues aus Brüssel – Wie Hydrokolloide, Zusatzstoffe und Verpackungsrecht die Branche verändern werden“ hielt. (Quelle: Lebensmittelinstitut KIN)
Im Technikum gab es wieder Stände und Vorführungen.
Im Technikum gab es wieder Stände und Vorführungen. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Dr. Katharina Michl von Lallemand Animal Nutrition referierte über „Mehr als stabil: Konzept, Evidenz und Claim-Power postbiotischer Bakterien“.
Dr. Katharina Michl von Lallemand Animal Nutrition referierte über „Mehr als stabil: Konzept, Evidenz und Claim-Power postbiotischer Bakterien“. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
160 externe Teilnehmer lauschten den Vorträgen.
160 externe Teilnehmer lauschten den Vorträgen. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Jan Wittmann, Gründer der Dogorama GmbH, begeisterte mit „Trust me, I'm tasty – Erfolgreiche Markenführung im Petfood-Bereich.“
Jan Wittmann, Gründer der Dogorama GmbH, begeisterte mit „Trust me, I'm tasty – Erfolgreiche Markenführung im Petfood-Bereich.“ (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Till Isensee, Geschäftsführer der Tillisco GmbH, präsentierte mit „PPWR – Handelsmarken lehnen Erzeuger-Rolle ab. Lieferanten unter Druck!“ die PPWR-Pipeline und nahm den unmittelbaren Erfolgsdruck für 2026 etwas heraus.
Till Isensee, Geschäftsführer der Tillisco GmbH, präsentierte mit „PPWR – Handelsmarken lehnen Erzeuger-Rolle ab. Lieferanten unter Druck!“ die PPWR-Pipeline und nahm den unmittelbaren Erfolgsdruck für 2026 etwas heraus. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Manfred Seelig, Sales & Technology Manager bei Natec Network, zeigte „Effizienz im Bestand“ die Möglichkeiten der UHT-Technologie.
Manfred Seelig, Sales & Technology Manager bei Natec Network, zeigte „Effizienz im Bestand“ die Möglichkeiten der UHT-Technologie. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Vorführung der Lebensmittelmaschine von Emerito im Technikum.
Vorführung der Lebensmittelmaschine von Emerito im Technikum. (Quelle: Lebensmittelinstitut KIN)
Christian Köhler, Geschäftsführer der MBB GmbH, sprach über „KI im Alltag – Konkrete Anwendungen für Petfood-Hersteller“.
Christian Köhler, Geschäftsführer der MBB GmbH, sprach über „KI im Alltag – Konkrete Anwendungen für Petfood-Hersteller“. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Rund 200 Leute folgten dem Programm.
Rund 200 Leute folgten dem Programm. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Fabian Ahuis, Produktentwickler bei der Emsland Group, berichtete von „Textur ohne Beipackzettel – Stärke statt Carrageen & Gums“.
Fabian Ahuis, Produktentwickler bei der Emsland Group, berichtete von „Textur ohne Beipackzettel – Stärke statt Carrageen & Gums“. (Quelle: Dähne Verlag, Mengedoht)
Den Abschluss bildete Torben Fangmann, Mitgründer der Smovement GbR, mit „LinkedIn in der Petfood-Branche: Professionelles, authentisches Social Selling statt oberflächlicher TikTok-Tänze.“
Den Abschluss bildete Torben Fangmann, Mitgründer der Smovement GbR, mit „LinkedIn in der Petfood-Branche: Professionelles, authentisches Social Selling statt oberflächlicher TikTok-Tänze.“ (Quelle: Lebensmittelinstitut KIN)

Gently cooked

Inhaltlich dicht war der Vortrag von Marc-Steffen Fink (Paex) zu „Gently Cooked im Krisenmodus: Geflügelpest, Lieferketten und Rohwarenqualität“. Er spannte den Bogen von der Marktübersicht in Deutschland und den USA über Kaufverhalten und Positionierung bis zu Rohware und Produktentwicklung. Während Gently Cooked in den USA – dem Land des Trockenfutters – die Lücke zwischen Humanisierung und Qualitätswunsch bereits füllt, steckt die Kategorie in Deutschland noch in den Anfängen; hierzulande gewinnen zugleich Barf und selbst gekochte Rationen an Bedeutung. Zum „Krisenmodus" wird die Rohwarenbeschaffung vor allem durch die Geflügelpest, die für Fink zum Synonym für Volatilität geworden ist: Keulungen, Sperrzonen und Preissprünge, zusätzlich verschärft durch Maul- und Klauenseuche sowie Schaf- und Ziegenpocken in Südosteuropa. Als Antwort skizzierte er Sourcing-Strategien – etwa weniger betroffene südeuropäische Herkünfte und natives Kollagen aus bindegewebsreichen Koppelprodukten statt zugesetzter Geliermittel. Sein Fazit: Gently Cooked bleibt vorerst eine Nische, ist aber ein echter Wunscherfüller der „Pet Parents" – mit D2C- und Abo-Modellen als größter Chance.

Fabian Ahuis, Produktentwickler bei der Emsland Group, folgte mit „Textur ohne Beipackzettel – Stärke statt Carrageen & Gums“. Kartoffelstärke sei deklaratorisch ein Geschenk: Sie unterliege keiner Wiederzulassungspflicht und sei von einem Verbot nicht bedroht. Schon 4 bis 8 Prozent funktioneller Stärke reichten aus, um Carrageen, Xanthan, Johannisbrotkernmehl und Guar zu ersetzen. Sein Schlusssatz brachte es auf den Punkt: „Weniger Zutaten. Weniger Komplexität. Gleiche Performance.“

Jan Wittmann, Gründer der Dogorama GmbH, begeisterte mit „Trust me, I'm tasty – Erfolgreiche Markenführung im Petfood-Bereich“. Seine Community zählt über eine Million Mitglieder im D-A-CH-Raum. Wittmann zeigte, was heute zieht: Short Videos, die als bezahlte Anzeige mindestens fünfmal mehr Aufmerksamkeit erzeugen als ein reines Bild, sowie Connected TV für personalisierte Videoanzeigen. Entscheidend sei Vertrauen, nicht bloße Reichweite. Sein Ziel: eine Lovebrand, die kein Produkt, sondern ein Gefühl verkauft.

Nach dem ersten Tag blieb genug Zeit zum Netzwerken.
Nach dem ersten Tag blieb genug Zeit zum Netzwerken. (Quelle: Lebensmittelinstitut KIN)
Der Veranstaltungsort Lebensmittelinstitut mit eigenem Catering bedingt hier immer auch: gutes Essen und große Auswahl.
Der Veranstaltungsort Lebensmittelinstitut mit eigenem Catering bedingt hier immer auch: gutes Essen und große Auswahl. (Quelle: Lebensmittelinstitut KIN)
Der Abend gehört dem Netzwerken.
Der Abend gehört dem Netzwerken. (Quelle: Lebensmittelinstitut KIN)

PPWR-Pipeline

Till Isensee, Geschäftsführer der Tillisco GmbH, präsentierte mit „PPWR – Handelsmarken lehnen Erzeuger-Rolle ab. Lieferanten unter Druck!“ die PPWR-Pipeline und nahm den unmittelbaren Erfolgsdruck für 2026 etwas heraus. Zugleich schilderte er den Fall der Handelsmarke Lidl, die ihre Erzeuger-Rolle im Sinne der PPWR schriftlich abgelehnt habe, erläuterte die Folgen für Hersteller und empfahl, Rechtsbeistand einzuholen und Widerspruch einzureichen.

Christian Köhler, Geschäftsführer der MBB GmbH, sprach über „KI im Alltag – Konkrete Anwendungen für Petfood-Hersteller“. Am Beispiel der Unternehmensplattform „Langdock“, die über 40 KI-Sprachmodelle vereint, zeigte er DSGVO-konforme Automatisierung und demonstrierte live einen Agenten-Workflow, der KI direkt mit Programmen wie Slack, Google Drive, Asana oder Salesforce verknüpft. Das Interesse war so groß, dass die Fragerunde mit 45 Minuten genauso lang dauerte wie der Vortrag selbst.

Dr. Katharina Michl von Lallemand Animal Nutrition referierte über „Mehr als stabil: Konzept, Evidenz und Claim-Power postbiotischer Bakterien“. Postbiotika – Zubereitungen aus nicht lebensfähigen Mikroorganismen und deren Bestandteilen – wirkten positiv auf Verdauung, Immunsystem, Haut und Stress. Sie verbänden wissenschaftliche Evidenz mit industrieller Umsetzbarkeit; mehr als 73 Prozent der Halter erkennen den Zusammenhang zwischen Darm und Gesundheit.

Auch die übrigen Referate deckten die ganze Bandbreite ab: Dazu kamen Vorträge von Andreas Stein (Atlantic Chemicals Trading), Franz-Bernd Kosmann (CLK), Manfred Seelig (Natec), und Torben Fangmann (Smovement) zu Faserverdickern, Detektionssystemen, UHT-Technologie und LinkedIn. Zwischen den Vorträgen und bei der abendlichen Netzwerkveranstaltung blieb reichlich Zeit für den persönlichen Austausch.

Das ist die Langfassung des Beitrags aus der Printausgabe pet 8/2026.

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